ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Gesundheitskommunikation: Strukturwandel in Zeiten des World Wide Web

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Gesundheitskommunikation: Strukturwandel in Zeiten des World Wide Web

Dtsch Arztebl 2010; 107(47): A-2340 / B-2024 / C-1989

Krüger-Brand, Heike E.

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Die Kommunikation im Gesundheitswesen, so lautet eine der Grundthesen des anregenden Sammelbandes „Achtung: Patient online!“, befindet sich im radikalen Umbruch. Katalysator hierfür ist das Web 2.0. Für Patienten und Angehörige gibt es über das Internet immer mehr Möglichkeiten, sich zu informieren und zu organisieren. Forschungsergebnisse und Wissen stehen im Netz frei zur Verfügung. Zwar ist heute schon viel die Rede vom souveränen Patienten und Bürger, doch das Prinzip der Selbstverantwortung, so wird kritisiert, bezieht sich im Wesentlichen auf die Mitfinanzierung und nur eingeschränkt auf die Mitsprache. Die Diskurskultur in unserem Gesundheitswesen orientiere sich an überlebten Mustern, Stichwort: Medizin als „Verkündigungsarbeit“. Dem hergebrachten Experte-Patient-Verhältnis entspricht ein starres „Sende-Empfänger-Schema“, das letztlich nicht funktioniert und in mangelnder Compliance der Patienten mündet.

Dagegen muss nach Meinung der Autoren Kommunikation als eine Schlüsselvariable für erfolgreiches Agieren im Gesundheitswesen begriffen und ein modernes Kommunikations- und Informationsmanagement erst noch entwickelt werden. Ein Beispiel dafür liefern Arztbewertungsportale: Sie haben ein erhebliches Potenzial zur Förderung der Transparenz und der Kooperation zwischen Patienten und Gesundheitsdienstleistern, befinden die Autoren des entsprechenden Beitrags. Sie weisen darauf hin, dass es in diesen Portalen als großer Makel gilt, wenn Ärzte durch kommunikative Inkompetenz auffallen.

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Ein anderes Beispiel ist die Krisenkommunikation bei schwerwiegenden Zwischenfällen oder Fehlern in medizinischen Einrichtungen, das an einem Fallbeispiel aus der Medizinischen Hochschule Hannover durchgespielt wird. Nur durch eine „nachhaltige Professionalisierung“ der Kommunikation könne man der zunehmenden Verbreitungsgeschwindigkeit von Nachrichten, Geschichten und Gerüchten im Web begegnen, meinen die Autoren. Dies erfordert „ständige Aufmerksamkeit und Interventionsbereitschaft“.

Ebenfalls ein noch weitgehend unentdecktes Feld in diesem Zusammenhang ist die Patienteninformation und -kommunikation im Versorgungsmanagement der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Sie habe den Rang einer „unverzichtbaren Gesundheitstechnologie“, heißt es, deren Einfluss auf den therapeutischen Outcome hierzulande jedoch noch kaum genutzt werde. Heike E. Krüger-Brand

Christoph Koch (Hrsg.): Achtung: Patient online! Wie Internet, soziale Netzwerke und kommunikativer Strukturwandel den Gesundheitssektor transformieren. Gabler Verlag, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, 2010, 222 Seiten, katroniert, 34,95 Euro

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