ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Medizinische Versorgungszentren: Weiter auf Wachstumskurs

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Medizinische Versorgungszentren: Weiter auf Wachstumskurs

Dtsch Arztebl 2010; 107(47): A-2318 / B-2006 / C-1970

Maus, Josef

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Mittlerweile gibt es circa 1 500 Medizinische Versorgungszentren. Die Einrichtungen haben sich als sinnvoll und als wichtiges Bindeglied zwischen ambulant und stationär erwiesen.

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) haben sich nach Auffassung der Bundesregierung als sinnvolle Ergänzung zu den Einzel- und Gemeinschaftspraxen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten etabliert. Mehr noch: „Sie haben sich als wichtiges Bindeglied bei der Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung erwiesen und helfen, Schnittstellenprobleme beim Übergang von der einen zur anderen Versorgungsform zu überwinden“, antwortete die Regierung aktuell auf eine Kleine Anfrage von SPD-Bundestagsabgeordneten.

Deshalb will die Bundesregierung an der Organisationsform MVZ grundsätzlich festhalten, zugleich aber auch sicherstellen, „dass die ärztliche Tätigkeit im MVZ auch weiterhin allein medizinischen Gesichtspunkten folgt“. Krankenhäuser dürfen Medizinische Versorgungszentren gründen, die Mehrheit der Anteile soll allerdings Ärztinnen und Ärzten vorbehalten sein. Eine solche Regelung findet man freilich nicht im GKV-Finanzierungsgesetz. Auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes bestätigte aber ein Sprecher des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums, dass die Regierung an der Absichtserklärung im Koalitionsvertrag festhalte und entsprechende Regelungen im kommenden Jahr im Zuge des sogenannten Versorgungsgesetzes zu erwarten seien.

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Wert auf den Vorrang der Ärzte bei der Gründung und Leitung eines MVZ legt vor allem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Die Spitzenorganisation der niedergelassenen Ärzte auf Bundesebene möchte nicht, dass sich Kapitalgesellschaften der Versorgungszentren bemächtigen. Ein Grund für die Sorge: Als Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung können MVZ Patientenströme leiten – und eventuell in diesem Sinne auch instrumentalisiert werden.

Möglich geworden ist die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren durch das GKV-Modernisierungsgesetz aus dem Jahr 2004. Seither ist die Entwicklung der MVZ, die viele an die früheren Polikliniken der DDR erinnern, eine Erfolgsgeschichte. Ende 2004 gab es lediglich 74 Einrichtungen, davon 54 im Eigentum von Vertragsärzten und jeweils zehn von Krankenhäusern und sonstigen Trägern. Die neuesten verfügbaren Zahlen der KBV stammen aus dem ersten Quartal dieses Jahres. Danach sind 1 503 MVZ registriert – mit einer Gesamtzahl von 7 526 Ärzten. Die meisten davon, nämlich 6 206 sind angestellt, 1 320 zugelassene Vertragsärzte.

Im Durchschnitt arbeiten aktuell fünf Ärzte in einem MVZ, 332 Einrichtungen (22 Prozent) sind nach Angaben der KBV größer und beschäftigen mehr als sieben Ärzte. Nach wie vor zählen vorwiegend Vertragsärzte und Krankenhäuser zu den Gründern von Versorgungszentren: Ende März 2010 waren 48,7 Prozent der MVZ in der Trägerschaft von Vertragsärzten und 38,5 Prozent in der von Krankenhäusern. Die meisten Einrichtungen in Krankenhaushand gibt es in Niedersachsen (71), Bayern (70) und Baden-Württemberg (58). Eine hohe Konzentration von MVZ in der Trägerschaft von Krankenhäusern ist insbesondere in einem Teil der neuen Bundesländer (in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg) sowie in Schleswig-Holstein festzustellen.

In Berlin ist die sogenannte MVZ-Dichte je Einwohner am höchsten. Dort kommt ein Medizinisches Versorgungszentrum auf circa 240 000 Einwohner. Am Ende dieser Skala steht Baden-Württemberg mit rund 107 500 Einwohnern je MVZ. Die Versorgungszentren werden sowohl in städtischen (56 Prozent) und halbstädtischen (2,7 Prozent) als auch in ländlichen Gebieten (41,3 Prozent) gegründet.

Die regelmäßigen Quartalsauswertungen für die Kassenärztlichen Vereinigungen gehen auch der Frage nach, wie viele Ärzte welcher Fachrichtung in den MVZ tätig sind. Die meisten sind nach wie vor Hausärzte (1 164) und Internisten (701). Weitere häufig vertretene Arztgruppen sind: Chirurgen (551), Laborärzte (482), Frauenärzte (470) und Nervenärzte (424). Vergleichsweise selten vertreten sind hingegen Hautärzte (134) und Urologen (94).

Längerfristig beobachtete Trends sind:

  • die Zahl der MVZ steigt stetig
  • seit Ende 2005 steigt die Zahl der angestellten Ärzte deutlich stärker als die der Vertragsärzte
  • bei MVZ in Trägerschaft der Krankenhäuser arbeiten nahezu ausschließlich angestellte Ärzte
  • die Mehrzahl der MVZ siedelt sich in Gebieten mit einer hohen Einwohnerzahl und -dichte an
  • die Größe der MVZ gemessen an der Zahl der dort tätigen Ärzte steigt kontinuierlich.

Josef Maus

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