ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Systemische Vaskulitiden: Azathioprin beugt wirksamer dem Rückfall vor als Mycophenolatmofetil

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Systemische Vaskulitiden: Azathioprin beugt wirksamer dem Rückfall vor als Mycophenolatmofetil

Dtsch Arztebl 2010; 107(47): A-2335 / B-2020 / C-1985

Siegmund-Schultze, Nicola

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Cyclophosphamid und Glukokortikoide gehören zu den Medikamenten der Wahl, um Patienten mit neu diagnostizierter antineutrophil cytoplasmic antibody(ANCA)-assoziierter Vaskulitis wie Wegener-Granulomatose oder mikroskopischer Polyangiitis (MPA) in Remission zu bringen. Wie aber lässt sich die Rückbildung optimal erhalten? Zu den Optionen gehören die Immunsuppressiva Azathioprin und Mycophenolatmofetil (MMF). Die Europäische Vaskulitis-Studiengruppe EUVAS hat die Effektivität und die Sicherheit beider Substanzen miteinander verglichen.

175 Patienten, die an Wegener-Granulomatose oder MPA litten, sind an 42 Zentren in 11 europäischen Ländern, darunter Deutschland, für die Studie rekrutiert worden. Um eine Remission zu induzieren, erhielten die Patienten Cyclophosphamid und Prednisolon. Diese Therapie war innerhalb von 6 Monaten bei 156 Teilnehmern erfolgreich. Sie wurden nun in zwei Gruppen randomisiert: 80 Probanden erhielten Azathioprin (beginnend mit 2 mg/kg Körpergewicht am Tag, maximal 200 mg täglich; Dosisreduktion nach 12 Monaten auf 1,5 mg/kg KG täglich, nach 18 Monaten auf 1 mg/kg KG, Absetzen nach 42 Monaten), 76 Patienten bekamen MMF (beginnend mit 2 g pro Tag, Dosisreduktionen auf 1,5 und 1 g/Tag, Absetzen nach 42 Monaten). In beiden Armen wurde oral Prednisolon (bis 24 Monate) mit vergleichbaren kumulativen Dosen gegeben.

Nach einem durchschnittlichen Follow-up von 39 Monaten nach Beginn der Erhaltungstherapie hatten 42 von 76 Patienten in der MMF-Gruppe einen Rückfall und 30 von 80 der mit Azathioprin behandelten Probanden – ein statistisch signifikanter Unterschied (p = 0,03). Die Rate schwerer unerwünschter Wirkungen, wie Leukopenien oder Infektionen, und der Organschäden unterschieden sich nicht statistisch signifikant.

Fazit: Nach erfolgreicher Induktion einer Remission bei ANCA-assoziierter Vaskulitis beugt Azathioprin wirksamer dem Rückfall vor als MMF. Offen bleibe allerdings die Frage, ob das Risiko-Nutzen-Verhältnis bei einer Langzeiterhaltungstherapie günstiger sei als bei einer bedarfsorientierten Behandlung von Rückfällen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Hiemstra TF et al.: Mycophenolate Mofetil vs Azathioprine for remission maintenance in anti-neutrophil cytoplasma antibody associated vasculitis: a randomized controlled trial. JAMA online doi: 10.1001/jama.2010.1658.

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