ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Stationäre Versorgung: Mit einem Präventionsprogramm lässt sich das Sturzrisiko bei Älteren reduzieren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Stationäre Versorgung: Mit einem Präventionsprogramm lässt sich das Sturzrisiko bei Älteren reduzieren

Dtsch Arztebl 2010; 107(47): A-2335 / B-2020 / C-1985

Heinzl, Susanne

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Hospitalisierte Patienten haben ein erhöhtes Sturzrisiko: Aufgrund von Krankheit und Therapie sind sie weniger fit, und sie müssen sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden. Ein Sturz kann nicht nur den Kranken­haus­auf­enthalt verlängern, sondern auch eine Abwärtsspirale mit weiter reduzierter Beweglichkeit und erhöhtem Risiko für erneute Stürze in Gang setzen. An vier städtischen Krankenhäusern in den USA wurde nun untersucht, ob das Risiko für Stürze mit einem individuell gestalteten Sturzpräventionsprogramm verringert werden kann.

Das Präventionsprogramm setzte sich zusammen aus einer Erfassung des individuellen Sturzrisikos, einem patientenspezifischen Präventionsplan, Merkblättern und Postern, die am Bett des Patienten angebracht wurden und ihn an seine besonderen Risiken erinnerten. Randomisiert wurde über 6 Monate untersucht, wie sich das Präventionsprogramm auf 4 Stationen mit 5 160 Patienten im Vergleich zur normalen Betreuung auf 4 Stationen mit 5 104 Patienten auswirkte. Primärer Endpunkt war die Zahl der Stürze pro 1 000 Patiententage, adjustiert an Klinik und Station. Ein sekundärer Endpunkt waren sturzbedingte Verletzungen.

Nach 6 Monaten war die Sturzhäufigkeit bei Intervention mit 3,15/1 000 Patiententagen signifikant geringer als bei Standardbetreuung mit 4,18/1 000 Patiententagen (p < 0,04). In der Interventionsgruppe waren 67 Patienten gestürzt, in der Kontrollgruppe 87 Patienten. Das Präventionsprogramm wirkte insbesondere bei Patienten über 65 Jahren, während es bei Patienten unter 65 Jahren keinen Effekt hatte. Kein signifikanter Unterschied ergab sich bei den sturzbedingten Verletzungen. Die Autoren errechneten, dass durch das Präventionsprogramm auf den acht beteiligten Stationen potenziell 1 Sturz alle 4 Tage, 7,5 Stürze jeden Monat und etwa 90 Stürze jedes Jahr verhindert werden könnten.

Fazit: Mit Hilfe eines individuell zugeschnittenen Präventionsprogramms kann das Risiko für Stürze im Krankenhaus verringert werden.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Dykes PC et al.: Fall prevention in acute care hospitals. A randomized trial. JAMA 2010; 304: 1912–8.

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