ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Honorarärzte: Der Zeitgeist und die Folgen
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Der Artikel beschreibt in seinem ersten Abschnitt einen Zeitgeist, der mehr und mehr um sich greift. Wenn, wie angeführt, Zitat: „Insbesondere für Chirurgen und Anästhesisten, bei denen der persönliche Kontakt zum Patienten in den Hintergrund tritt, ist die Tätigkeit ohne Festanstellung eine interessante Alternative“, der persönliche Kontakt durch den Operateur als nachrangig angesehen wird, so ist dem heftig zu widersprechen. Seit Jahren wird die Öko­nomi­sierung der Medizin und die Abkehr vom Individuum „Patient“ beklagt. Die persönliche Zuwendung, die „sprechende Medizin“ und das Zuhören seitens des Therapeuten sind wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung. Der Patient will sich mit seinen Problemen und Beschwerden verstanden fühlen und fordert zu Recht den vorherigen persönlichen Kontakt zu seinem Operateur und Anästhesisten. Hierin unterscheidet sich die Medizin von anderen freiberuflich tätigen Berufsgruppen, wie Rechtsanwälte, Steuerberater oder Architekten. Sollte der persönliche Kontakt nachrangig sein, ist das Alleinstellungsmerkmal der Medizin, dass wir uns mit dem Patienten persönlich auseinandersetzen, hinfällig. Die Medizin ist dann von einem industriellen Betrieb und seinen Produktionsprozessen nicht mehr zu unterscheiden. Man kann das Honorararztsystem in seinen Auswirkungen auf die klinischen Strukturen unterschiedlich bewerten, eines sollte allerdings nie eintreten, die mangelnde Wertschätzung des Patienten und die reine Ausrichtung des ärztlichen Handels auf den Profit . . . In den operativen Fächern ist es ein ehernes Gesetz, dass der Behandler vor und nach dem Eingriff den Patienten aufsucht und die Sachlage darstellt.

Dr. med. Daniel Frank, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), 10117 Berlin

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