ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2010Infektionen: Keine Lösungen für die ambulante Versorgung
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Neben den im Beitrag „Rasanter Wandel der Erreger“ geschilderten, den stationären Sektor betreffenden Defiziten verschärft sich das Szenario der multiresistenten Erreger durch mehrere bisher kaum beachtete Probleme im ambulanten Bereich:

a) Keine ambulanten Sanierungskonzepte: Erwirbt der Patient eine nosokomiale MRE-Besiedlung, wird er meist unsaniert damit entlassen. Für den ambulanten Sektor fehlen bisher Sanierungskonzepte, wenngleich kleinere Studien gezeigt haben, dass auch ambulant eine Eradikation möglich ist (Reich-Schupke et al. Int J Hyg Environ Health 2010). Diese Maßnahmen sind aufwendig und von den älteren, oft multimorbiden Menschen kaum allein durchführbar; professionelle Unterstützung ist dafür nicht vorgesehen.

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b) Ambulant keine Erstattung von Antiseptika: Die Kosten für das antiseptische Sanierungspaket von ca. 70 bis 100 Euro pro Woche (je nach Einkaufsstätte) sind von ambulanten Patienten selbst zu tragen und werden nicht von den gesetzlichen Krankenversicherern erstattet. Die Durchschnittsrente eines Mannes in der BRD betrug 2007 ca. 960 Euro, die einer Frau ca. 690 Euro (Statistisches Bundesamt).

c) Ambulant keine Erstattung von Schutzmaßnahmen: Viele MRE-Patienten werden durch Pflegedienste versorgt. Die anzuwendenden Schutzmaßnahmen sind durch den Pflegedienst und/oder den Betroffenen zu stellen und werden auch nicht durch die GKV erstattet. Ein entsprechendes Set (Schutzhandschuhe, Haube, Mundschutz, Kittel) kostet ca. drei bis vier Euro. Auch bei einer ärztlichen Wundversorgung sind die Kosten nicht durch den Erlös von 5,43 Euro pro Verbandswechsel (EBM-Ziffer 02312) gedeckt. Die Wundtherapie bei einem MRE-Patienten ist für alle Beteiligten ein Zuschussgeschäft.

Insbesondere im ambulanten Sektor besteht somit dringend Bedarf hinsichtlich evidenzbasierter und finanzierbarer Screening- und Sanierungskonzepte. Wünschenswert ist ein interprofessionelles Vorgehen, bei dem Versorger, Kostenträger und Politik an einem Strang ziehen.

Dr. Stefanie Reich-Schupke ,
Prof. Dr. Markus Stücker,
Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken der Ruhr-Universität
Bochum im St. Maria Hilf Krankenhaus,
44805 Bochum

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