ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2010Börsebius: Irland wer?

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Börsebius: Irland wer?

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Da zierte sich die Braut aber mächtig lange, um die güldenen Preziosen anzunehmen. Das marode Irland wird also nach wochenlangem Geziere und schamvollem Bocken rund 85 Milliarden Euro als Wegzehrung auf dem Weg zur erhofften Gesundung erhalten. Ein gewaltiger Brocken, gewiss, doch dieser finanzielle Kraftakt musste, nach dem Willen der in Europa politisch Verantwortlichen wenigstens, einfach sein, um den Euro – Untergangspropheten sehen denselben ja schon am Abgrund – in ruhigeres Fahrwasser zu überführen. Stimmt das denn alles so, muss der Euro wirklich „gerettet“ werden? Alle sechs Monate rückt die Finanzfeuerwehr mit den Brandmeistern Merkel, Juncker, Trichet und Schäuble aus, um ihre Arbeit zu leisten, erst in Griechenland, jetzt aktuell in Irland, vermutlich in einem halben Jahr in Portugal oder Spanien. Und jedes Mal soll es also lichterloh gebrannt haben, die Zukunft des Eurolandes stehe unwiderruflich auf dem Spiel, so nicht eingegriffen werde.

Das ist in meinen Augen alles Kappes, wie man in Köln so schön sagt, wenn Erklärungen nichts erklären, sondern vielmehr den Leuten gehörig Sand in die Augen gestreut werde.

Mit der Behauptung, es gehe um die Stabilität des Euro, geht die Falschbeurkundung bereits los. Wahr ist, der Euro steckt nicht in einer Krise, sondern die Staatsfinanzen. Der Kurs des Euro ist nach wie vor höher als sein sogenannter innerer Wert, dies vor allem, weil er eben auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seines Wirtschaftsraums widerspiegelt.

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Genauso fatal ist die Begründung der Rettungsaktion mit dem Argument, die Märkte hätten die Refinanzierungsmöglichkeiten Irlands verschlechtert und somit die Rettung erzwungen. Wahr ist auch hier, dass Irland wenigstens derzeit gar keinen akuten Finanzierungsbedarf hatte und Irland genötigt wurde, sich unter den Eurorettungsschirm zu begeben. Im Übrigen wurden die irischen Banken längst von der Europäischen Zentralbank gerettet, aber das ist eigentlich eine andere Geschichte.

In Wirklichkeit geht es darum, dass viele Banken, darunter systemrelevante, in ihren Portfolios Anleihen genau der verdächtigen Peripheriestaaten haben. Wir reden über Milliardenbestände an Wertpapieren, die nicht kaputtgehen dürfen. Dann nämlich ginge es diesen Banken (erneut) an den Kragen. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, musste eben Irland den roten Alarmknopf drücken, ob es wollte oder auch nicht. Bald folgen Portugal und Spanien. Und die Wahrheit bleibt dann wieder auf der Strecke. Wie furchtbar unehrlich.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Nicht wie an jedem ersten Samstag des Monats, sondern erst am zweiten Samstag des Monats, also am 11. Dezember 2010 können Sie in der Zeit von
9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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