ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2010Schmerzstillung bei Herzkranken: Paracetamol erhöht den Blutdruck

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schmerzstillung bei Herzkranken: Paracetamol erhöht den Blutdruck

Dtsch Arztebl 2010; 107(48): A-2392 / B-2072 / C-2034

Heinzl, Susanne

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Die Einnahme von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) und COX-2-Hemmern ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert. Vor allem für Patienten mit entsprechender Gefährdung wird in Leitlinien zur Behandlung chronischer Schmerzen Paracetamol als Erstlinientherapie empfohlen. Zur kardiovaskulären Sicherheit des Analgetikums liegen jedoch nur wenige und inkonsistente Daten vor. In einer prospektiven doppelblinden Crossover-Studie wurde untersucht, ob Paracetamol bei Koronarkranken den Blutdruck verändert. Um schmerzfreie Patienten nicht unnötig zu belasten, wurde lediglich die nach der Fallzahlenschätzung erforderliche Mindestzahl rekrutiert. Randomisiert erhielten 33 Patienten über zwei Wochen in Phase I dreimal täglich 1 g Paracetamol oder Placebo, in Phase II die jeweils andere Behandlung. Endpunkte waren die Änderungen im mittleren systolischen und diastolischen 24-h-Blutdruck und in der flussassoziierten Dilatation (FMD) an der Brachialisarterie nach zwei Wochen.

Paracetamol erhöhte im Vergleich zu Placebo den Blutdruck signifikant von 122 ±11,9 auf 125,3 ±12,0 mmHg (p = 0,021) bzw. von 73,2 ±6,9 auf 75,4 ±7,9 mmHg (p = 0,024). Unter Placebo blieb der Blutdruck konstant. FMD, Herzfrequenz und weitere Parameter wie Endothel- oder Plättchenfunktion änderten sich nicht signifikant.

Fazit: Paracetamol erhöhte in dieser Studie den Blutdruck von normotensiven Koronarpatienten. Damit steht nach Ansicht der Autoren die bislang behauptete kardiovaskuläre Sicherheit des Analgetikums infrage. Sie sollte nun ähnlich gründlich wie bei klassischen NSAR und COX-2-Hemmern untersucht werden, insbesondere bei Patienten mit erhöhtem koronarem Risiko.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Sudano I et al.: Acetaminophen increases blood pressure in patients with coronary artery disease. Circulation 2010; 122: 1789–96.

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