ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2010H. Hellmut Koch †: Vorkämpfer für eine gute ärztliche Weiterbildung

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H. Hellmut Koch †: Vorkämpfer für eine gute ärztliche Weiterbildung

Dtsch Arztebl 2010; 107(48): A-2399 / B-2081 / C-2041

Stüwe, Heinz

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Ende Januar dieses Jahres präsentierte Dr. med. Hans Hellmut Koch dem Vorstand der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) die Ergebnisse der ersten bundesweiten Evaluation der Weiterbildung. Dieses Projekt, mit dem die Ärztekammern unter Beweis stellen, dass sie die Verbesserung der Weiterbildung ernst nehmen, hat Koch initiiert und vorangetrieben. Als er dem Deutschen Ärzteblatt die Befragungsergebnisse erläuterte, wischte er kritische Fragen nicht einfach vom Tisch; wie immer argumentierte er differenziert, nachdenklich und gerade deshalb überzeugend. Am Deutschen Ärztetag im Mai in Dresden konnte Koch wegen seiner schweren Krankheit nicht mehr teilnehmen. Am 14. November ist der Ehrenpräsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer im Alter von 66 Jahren gestorben. „Wir verlieren einen guten Freund, einen geschätzten Kollegen und einen engagierten Berufspolitiker“, würdigte ihn Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der BÄK.

Am 9. März 1944 in Erlangen geboren, ist Koch seiner fränkischen Heimat stets verbunden geblieben. Zu Hause ist die Familie – seine Frau Marlies und zwei Söhne – in Fürth. Nach dem Medizinstudium an der Universität Erlangen-Nürnberg absolvierte Koch in Wien und am Klinikum Nürnberg die Weiterbildung zum Internisten mit dem Schwerpunkt Endokrinologie. Am Klinikum Nürnberg arbeitete er als Leitender Oberarzt in der Medizinischen Aufnahmestation und in der Abteilung Endokrinologie, bevor er 1986 zum Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Nürnberg bestellt wurde.

H. Hellmut Koch, Foto: BLÄK
H. Hellmut Koch, Foto: BLÄK
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Neben seiner klinischen Tätigkeit hat sich Koch über Jahrzehnte in der ärztlichen Berufs- und Standespolitik engagiert. Er war Vorstandsmitglied im Landesverband Bayern des Marburger Bundes und gehörte schon seit 1984 dem Vorstand der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer (BLÄK) an. 1995 wurde Koch zunächst zum Vizepräsidenten und vier Jahre später zum Präsidenten der BLÄK gewählt. In diesem Amt wurde er zweimal bestätigt.

Hoppe hat Kochs Verdienste als Vordenker in der ärztlichen Weiterbildung und Fortbildung hervorgehoben. Die BLÄK führte als erste Kammer das freiwillige Fortbildungszertifikat ein. Aufgeschlossen gegenüber den Möglichkeiten moderner Informationstechnologien, trieb Koch ihre Nutzung in der ärztlichen Fortbildung voran. Im Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung der BÄK wirkte Koch als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands. Für seine außerordentlichen Verdienste auf diesem Gebiet verlieh ihm die BÄK die Ernst-von-Bergmann-Plakette. Selbst Weiterbilder und Prüfer im Schwerpunkt Endokrinologie, hat Koch seit 1999 an der Spitze der Ständigen Konferenz und des Arbeitsausschusses „Ärztliche Weiterbildung“ der BÄK gestanden. Die grundlegende Novelle der Weiter­bildungs­ordnung von 2003 geht auf ihn zurück.

„Ruhig, unaufgeregt, sachlich, mit einem klaren Blick auf die Menschen und das Leben“ – so charakterisierte Dr. med. Max Kaplan, neuer Kammerpräsident in Bayern, seinen Vorgänger: einen Mann der eher leisen Töne, der die Anliegen des ärztlichen Berufsstands konsequent verfolgte. Die Bundes­ärzte­kammer verlieh ihm Anfang Oktober die Paracelsus-Medaille, die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft. Zu Recht häufig zitiert werden Kochs mahnende Worte bei seinem krankheitsbedingten Rücktritt am 31. August: „Ich wünsche mir von all denjenigen, die berufspolitisch Verantwortung tragen, sorgsam mit dem Vertrauen umzugehen, das sich jede Ärztin und jeder Arzt tagtäglich erarbeitet . . .“ Stü.

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