ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 5/2010Informationen für Geldanleger: Per Mausklick zum Erfolg

Supplement: PRAXiS

Informationen für Geldanleger: Per Mausklick zum Erfolg

Dtsch Arztebl 2010; 107(49): [22]

Jobst, Peter

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Ob Fernsehzeitung, Wirtschaftsmagazin oder Internetangebot der eigenen Bank: Geldanleger werden in allen Medien mit gutgemeinten Ratschlägen umworben. Doch längst nicht jede Quelle ist zuverlässig.

Auf etwa 6,6 Billionen Euro schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung das Gesamtvermögen der Deutschen. Doch dieses Vermögen ist keineswegs immer optimal angelegt. Experten gehen davon aus, dass mindestens die Hälfte davon nicht den Ertrag bringt, der mit einer sinnvollen Anlagestrukturierung bei gleichem Risiko eigentlich erzielbar wäre. Der Grund: Nach wie vor vertrauen viele Sparer allein auf ihren Anlageberater bei der Bank oder Sparkasse – und der empfiehlt heute in erster Linie Produkte, die ihm von seinem Arbeitgeber im Rahmen von Verkaufsförderungsmaßnahmen vorgesetzt werden. Nicht mehr das Kundeninteresse steht im Vordergrund, sondern allein der Ertrag, den der Verkauf und die laufende Betreuung dem Geldinstitut letztlich bringen.

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Anleger sind also zunehmend auf sich selbst gestellt, wenn sie ihr Vermögen sinnvoll und ertragreich investieren wollen. An Informationen mangelt es dabei nicht, längst widmen sich nicht nur Fachmedien diesem überaus wichtigen Thema. Berichte findet man vielmehr in nahezu allen Publikationen, die das breitere Publikum ansprechen – vom Hausfrauenblatt über spezielle Ratgeber-Publikationen bis hin zu den Hochglanzmagazinen mit Lifestylethemen.

Wahre Informationsflut

Aber auch im Rundfunk und Fernsehen wird regelmäßig über die Börse berichtet, und nicht zuletzt bietet das Internet eine Informationsvielfalt, die man sich noch vor wenigen Jahren kaum hätte erträumen können. Doch damit sind neue Probleme programmiert. Die Flut der Informationen ist so groß, dass der private Anleger kaum noch Wichtiges von Unwichtigem und – was noch fataler ist – von Werbung unterscheiden kann.

Dies beginnt bei den Printmedien. So ist bei den großen traditionellen Wirtschaftszeitungen und -magazinen davon auszugehen, dass Themen meist gut recherchiert und fundiert behandelt werden. Der Anleger kann sich also auf die Inhalte verlassen – ob es sich nun um Berichte etwa über Unternehmens- und Branchenentwicklungen, erwartete künftige Tendenzen oder aber auch Ratschläge rund um die Vermögensoptimierung handelt. Eine Garantie ist mit den Prognosen zwar nicht verbunden, und selbst mancher journalistischer Profi ist vor Fehlschlägen nicht gefeit. Dennoch bieten diese Medien dem kritischen Leser ein recht gutes Bild über die aktuelle und möglicherweise künftige Situation der Kapitalmärkte.

Problematischer ist die Situation jedoch bereits bei Medien, die sich nur ab und zu dem Thema Geldanlage widmen. Typische Beispiele sind hier regionale Tageszeitungen mit ihren „Finanz-Specials“, aber auch Publikumszeitschriften wie etwa Fernsehmagazine. Hier werden die Texte oftmals nicht selbst recherchiert, sondern komplette Seiten bei darauf spezialisierten Agenturen eingekauft. Während jedoch nichts gegen eine von einer seriösen Nachrichtenagentur erstellten Seite mit Börsenberichten spricht, sieht es bei manchen als „Tipps für Geldanleger“ herausgestellten Produktionen anders aus. Nicht selten stehen dahinter Finanzvermittler, Versicherungsgesellschaften oder auch große Banken, die über die Hintertür der redaktionellen Berichterstattung ein geschicktes Produktplacement betreiben. Erkennbar sind solche Publikationen – wenn die Seite nicht ohnehin als „Werbung“ gekennzeichnet ist – vorrangig an der kritiklosen Vorstellung eines einzigen oder weniger Produkte.

In verstärktem Maß gilt dies für Kundenpublikationen von Banken, Finanzdienstleistern und Versicherungen. Sie erwecken zwar in der Regel den Eindruck der Neutralität, letztlich dienen sie jedoch dem Verkauf. Dies muss nicht negativ sein, denn so können sich auch unerfahrene Anleger über neue Produkte informieren. Im Übrigen weiß schließlich jeder Anleger, dass zum Beispiel ein gratis verteiltes Bankenblatt in erster Linie dem Verkauf von Bankprodukten dienen wird. Entscheidend ist jedoch, ob tatsächlich auch alle Chancen, Risiken und Kosten in vollem Umfang beschrieben werden und ob zumindest ein gewisses Maß an kritischer Distanz gewahrt wird.

Printmedien sind heute jedoch nur noch ein kleiner Teil der Informationsvielfalt. Während sich Hörfunk- und Fernsehsendungen meist nur mit dem aktuellen Marktgeschehen befassen und darüber zuverlässig berichten, findet man im Internet eine Datenflut, die selbst einen erfahrenen Börsenexperten schnell überfordern kann. Zu unterscheiden ist hier vorrangig nach dem Betreiber des jeweiligen Internetangebots. Als besonders zuverlässig sind neutrale Stellen zu bewerten. Die Deutsche Börse AG publiziert zum Beispiel alle relevanten Kurse der Frankfurter Parkettbörse und aus dem elektronischen Handel sowie aktuelle Nachrichten und Kommentare. Einen Schritt weiter geht die Stuttgarter Börse, die dem Anleger auch Auswahlmöglichkeiten etwa für Anleihen oder Zertifikate anhand konkreter Zahlen bietet. Hier kann davon ausgegangen werden, dass die Börsen ihr Programm allein im Inter- esse eines möglichst lebhaften Handels betreiben, jedoch keine einseitigen Empfehlungen abgeben.

Individuelle Übersichten

Soweit es um reale Daten geht, sind aber auch die Angebote von Banken und Sparkassen als zuverlässig einzustufen. Interessant ist hier beispielsweise das – kostenfreie – Erstellen einer „Watchlist“, in die Anleger die von ihnen gehaltenen beziehungsweise beobachteten Papier eintragen und bei Bedarf oder automatisch abrufen können. Viele Angebote ersetzen inzwischen sogar ein eigenes Computerprogramm zur Wertpapieranalyse, etwa nach den Regeln der Chart- oder Fundamentaltechnik. Vergleichbares gilt für die Internetprogramme, die von den Herausgebern seriöser Finanzpublikationen quasi heftbegleitend betrieben werden: Auch hier herrscht ein vergleichsweise hohes Maß an Neutralität und Seriosität. Letztlich muss jeder Anleger selbst herausfinden, mit welchem dieser Angebote er am besten zurechtkommt.

Suggerierte Neutralität

Allerdings ist die Grenzlinie zwischen Information und Werbung fließend. Selbst manche Börsenbetreiber scheuen im Interesse der Finanzierung ihres Angebots nicht davor zurück, den einen oder anderen Finanzdienstleister bei sich werben zu lassen. In verstärktem Maß gilt dies für Anbieter, die letztlich vom Informationsvertrieb leben. So ist das Angebot von Diensten wie Onvista zwar extrem umfangreich und – soweit es sich auf Kurse bezieht – ausgesprochen zuverlässig, jedoch sind die Seiten mit einer Vielzahl von Werbeelementen „geschmückt“, die den Anleger schnell zu Finanzvermittlern führen können.

Mit noch größerer Zurückhaltung sollten Anleger schließlich alle Seiten betrachten, die entweder direkt von Finanzvermittlern betrieben werden oder auf die von Internetsuchmaschinen nach Eingabe einschlägiger Begriffe gern verlinkt wird. Oftmals wird zwar auch hier eine gewisse Neutralität suggeriert, tatsächlich geht es jedoch meist um den knallharten Verkauf etwa von Versicherungen. Und schließlich sind ebenfalls in diesem Markt manche schwarze Schafe unterwegs. Sie bieten angeblich umfassende Börseninformationen, für die man sich lediglich mit Namen und Anschrift registrieren müsse. Im Kleingedruckten findet man – oft auch in zum Beispiel unlesbaren Farben dargestellt – jedoch Hinweise auf ein kostenpflichtiges Abonnement. Geboten werden dafür jedoch nur nichtssagende „Weisheiten“, aber kaum echte Informationen. Vor der Eingabe eigener Daten sollten sich Anleger also sehr genau darüber informieren, wer hinter dem jeweiligen Angebot steht, ob Kosten anfallen und was wirklich erwartet werden kann. Peter Jobst

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