ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2010Randnotiz: Dunkel am Ende des Tunnels

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Randnotiz: Dunkel am Ende des Tunnels

PP 9, Ausgabe Dezember 2010, Seite 533

Bühring, Petra

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Der gemeine DÄ-Redakteur muss einige Male im Jahr das Berliner ICC (Internationales Congress-Centrum) aufsuchen, um über Neuigkeiten aus den ärztlichen Fachbereichen berichten zu können. Das ICC ist ein raumschiffartiges, vielfach fensterloses Ungetüm in schlechtester Siebzigerjahrearchitektur. Aktueller Anlass war der große Kongress der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) Ende November. Steigt man an der S-Bahn-Station ICC/Messe-Nord aus, leitet die Beschilderung zunächst hoch ans Licht, das ICC bereits in unmittelbarer Sichtweite, um den Besucher dann durch einen Tunnel die befahrene Straße unterqueren zu lassen, die Station und ICC trennt. Eine Ampel gibt es nicht. Dieser Tunnel ist dunkel, dreckig, extrem zugig und orangefarben gekachelt. Der Tunnel wurde zeitgleich mit den fensterlosen Hallen des ICC errichtet, dessen Abriss in Berlin immer mal wieder diskutiert wird. Er führt direkt zu dessen Eingang und weiter ins Dunkel.

Das Durchqueren des Tunnels wird von massiven Abwehrimpulsen bestimmt. Zusammenzucken lassen auch plötzlich auftauchende Gestalten, die den Kongressbesuchern Flugblätter und Flyer in die Hand drücken. Viele Psychiater und Nervenärzte, die diesen Weg über den vier Tage andauernden Kongress unzählige Male nehmen sollten, wurden dabei beobachtet, wie sie gleich über die befahrene Straße huschten, die zum Glück einen Mittelstreifen hat.

Die DGPPN hat gerade ein neues Referat „Sportpsychiatrie“ eingerichtet – die Architekturpsychologie braucht auch noch ein paar Fürsprecher.

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