ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1996Rekombinantes Erythropoietin: Jetzt auch indiziert bei Neugeborenen

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Rekombinantes Erythropoietin: Jetzt auch indiziert bei Neugeborenen

Roth, Richard

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LNSLNSLNSLNS Ein häufiges Begleitsymptom vieler Erkrankungen sind chronische und passagere Anämien. Seit Anfang der 90er Jahre wird das rekombinante humane Erythropoietin (rhEPO) zur Behandlung von schweren Anämien bei chronisch niereninsuffizienten Patienten eingesetzt. Weitere Indikationen sind Anämien bei malignen Erkrankungen, Zustand nach Knochenmarktransplantation, die HIV-Infektion sowie die präoperative Stimulierung der Erythropoese im Rahmen der Eigenblutspende. Beim 21. Symposium der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin in Mannheim stellte Dr. Rolf F. Maier (Berlin) eine weitere Indikation vor: Mit dem rekombinanten menschlichen Erythropoietin (Epoetin beta) steht dem Pädiater jetzt ein neues medikamentöses Therapieprinzip zur Prävention der Frühgeborenenanämie zur Verfügung. Durch die frühzeitige und hochdosierte Gabe können der postpartale Hämatokritabfall aufgehalten und der Transfusionsbedarf gesenkt werden. Unter der Therapie (750 IE/kg/Woche) konnte – im Vergleich zu einer nichtbehandelten Kontrollgruppe – sowohl die Anzahl der transfundierten Kinder als auch die Anzahl der Transfusionen deutlich reduziert werden. Für die Behandlung der Anämie von Frühgeborenen ist Recormon® (Boehringer Mannheim) im Januar zugelassen worden.
Mehrere Faktoren tragen zur Frühgeborenenanämie bei. Prof. Michael Obladen (Berlin) nannte in diesem Zusammenhang u. a. die erhöhte Sauerstoffverfügbarkeit bei der Umstellung von der plazentaren auf die pulmonale Oxygenierung, das verminderte Ansprechen der Erythropoietin-Produktion auf hypoxische Stimuli, den beschleunigten Abbau fetaler Erythrozyten und die diagnostischen Blutverluste.
Als Ausdruck der stimulierten Erythropoese entwickeln sich dosisabhängig bei den meisten Frühgeborenen eine Retikulozytose und ein Eisenmangel. Die Retikulozytose dient in klinischen Studien als Gradmesser zur Ermittlung der wirksamen rhEPO-Dosis. Frühgeborene haben bei der Geburt nur geringe Eisenspeicher.
Eine ausreichende Erythropoese kann aber nur stattfinden, wenn genügend Eisen zur Verfügung steht. Prof. Jean Messer (Straßburg) empfahl daher die Substitution von Eisen während der Epoetin-beta-Behandlung bei Frühgeborenen. Wegen möglicher Nebenwirkungen bei der parenteralen Applikation sind oral zu verabreichende Eisenpräparate vorzuziehen. Am Abfall der Ferritin-Serumkonzentration läßt sich erkennen, ob das Eisen für die Erythropoese mobilisiert wurde. Dr. Richard Roth
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