ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2010Fokustechnik: „Kartenspiel“ als Visualisierungshilfe

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Fokustechnik: „Kartenspiel“ als Visualisierungshilfe

PP 9, Ausgabe Dezember 2010, Seite 561

Degner, Renate

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Möchte der Autor uns in Versuchung bringen, Verhaltensanalyse oder OPD über Bord zu werfen, um nunmehr mithilfe von Fokuskarten zu navigieren – „einer Art visuelle(r) Diagnostik“? Er „extrahierte eine universelle Zeichensprache“ aus den Bildern seiner Patienten nach „jahrelanger Beschäftigung mit dem kunsttherapeutischen Ansatz“, den er als Psychiater und Psychotherapeut einsetzte. Kartensets mit einfachen Symbolen animieren, die 151 Buchseiten durchzuarbeiten unter der Frage: Lohnt es sich für vielbeschäftigte Richtlinien-Therapeuten diese „Technik“ zu erlernen und einzusetzen?

Grundlegend ist eine Theorie, die davon ausgeht, dass Zeichen „Bedeutungsräume“ aufzeigen, die Patienten inhaltlich füllen und sprachlich interpretieren können. Mithilfe der abstrakten Formen auf 37 Karten werden Konflikte, Strategien, psychische Prozesse fokussiert. Zudem werden die Karten als nichtsprachliche Visualisierungshilfe für den Dialog zwischen Patient und Therapeut eingesetzt. Sowohl als eingangs- als auch als verlaufsdiagnostisches Instrument initiieren und unterstützen die Symbolkarten therapeutische Interventionen. Im Unterschied zu freien Zeichnungen und auch gängigen projektiven Tests haben sie den Vorteil, sowohl methodisch standardisierbar als auch einfach und flexibel einsetzbar zu sein.

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Mittels zweier Karten werden der aktuelle und der optimale Zustand polarisierend dargestellt. Nach der – vom Patienten eingeleiteten und vom Therapeuten dialogisch geförderten – persönlichen Interpretation der Symbolik können weitere Karten hinzugezogen werden. Etwa jene für „typische Situation in der Kindheit“, die auf den psychodynamischen Therapieansatz des Autors verweist. Die gute Lesbarkeit des Buches rührt daher, dass viele Fallbeispiele und Träume eingefügt sind, anhand derer die Karten erklärt werden. Feste Benennungen gibt der Autor den Karten absichtlich nicht. So kann etwa eine Karte, auf der eine schwarze Kugel unten in einem Halbkreis liegt, sowohl „positives, stabiles Gleichgewicht“ als auch etwa „regressive Position“ bedeuten. Zitate aus verschiedenen Psychotherapieverfahren und -methoden vermitteln den Eindruck, dass die Fokustechnik psychotherapieschulen- übergreifend konzipiert ist. Der Rezensentin hat dieses „Kartenspiel“ sogar Spaß gemacht. Renate Degner

Christian Mayer: Mit Fokus-Karten zum Ziel. Ein Navigationssystem für Psychotherapeuten und Coaches. Mit 37 Anwendungs-Karten. Junfermann Verlag, Paderborn 2010, 160 Seiten, kartoniert, 19,90 Euro

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