ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Praxisführung: Die Nachfolge rechtzeitig planen

BERUF

Praxisführung: Die Nachfolge rechtzeitig planen

Dtsch Arztebl 2010; 107(49): [95]

Vetter, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die rechtzeitige Planung der späteren Praxisübergabe ist für Ärzte nicht nur vor dem Hintergrund der eigenen Kreditwürdigkeit äußerst wichtig.

Beinahe hätte Martin S., ein Arzt aus Süddeutschland, die Information übersehen: Auf seinem Kontoauszug wird ihm mitgeteilt, dass der Zinssatz des Überziehungskredits auf seinem Geschäftskonto „mit sofortiger Wirkung“ von neun Prozent auf nun zwölf Prozent erhöht wird. S. kann sich nicht erinnern, jemals eine derartige Erhöhung während der langjährigen Zusammenarbeit mit seiner Hausbank erlebt zu haben. Von seinem Kundenberater erhält er die Information, dass Zinsänderung „wegen des fehlenden Konzepts zu seiner in rund einem Jahr geplanten Praxisübergabe an seinen Sohn erfolgte“. Der Bankmitarbeiter zitiert aus einem Aktenvermerk, den er nach dem letzten Gespräch mit S. notiert hatte. Darin heißt es, dass S. davon informiert wurde, „dass die Bank als Kreditgeber kurzfristig ein Übergabekonzept erwartet, um die spätere Rechtsnachfolge vor allem vor dem Hintergrund der Gesamtverbindlichkeiten der Praxis geklärt zu sehen“.

Die Bank will wissen, wer den Kredit abbezahlt

Anzeige

Die Gesamtverbindlichkeiten der Praxis in Höhe von circa 250 000 Euro sind auf eine kürzlich erfolgte Praxiserweiterung zurückzuführen, die neben dem Kauf des bisher gemieteten Gebäudes zusätzliche Investitionen in die Praxisausstattung erforderte. Die Bank, das bestreitet S. auch nicht, hat die damit verbundene erhebliche Erhöhung des Kreditumfangs unter anderem von einem schlüssigen Nachfolgekonzept abhängig gemacht. Dies ist auch Teil des Darlehensvertrags, den S. längst unterschrieben hat. Offensichtlich wurde dieser wichtige Punkt aber von S. bisher nicht mit der gebotenen Aufmerksamkeit beachtet, sonst hätte er sich wahrscheinlich längst mit Unterstützung seines Steuerberaters um das erwartete Nachfolgekonzept bemüht. Dies gilt umso mehr, da der Sohn von S. bei einem Kollegen in einer Nachbarstadt tätig ist und daher für die Nachfolge seines Vaters eigentlich bestens vorbereitet ist. Offenbar fühlen sich Vater und Sohn in ihren jetzigen Positionen wohl, so dass sie den mit dem Kreditinstitut getroffenen diesbezüglichen Vereinbarungen nach einem Konzept bisher nicht nachgekommen sind – einem Konzept übrigens, an dem die Bank vor allem deshalb interessiert ist, weil sie rechtzeitig wissen möchte, wer später die Zins- und Tilgungsraten leisten wird.

Mit dieser „konzeptionellen Zurückhaltung“ befinden sich Vater und Sohn S. nach den Erfahrungen des Autors in „bester Gesellschaft“. Es gibt kaum ein strategisch derart wichtiges Thema wie das der späteren Praxisübergabe, dem oftmals eine derart geringe Bedeutung seitens des jeweiligen Arztes beigemessen wird. Dabei kann bei einer späteren Nachfolge die rechtzeitige Aufteilung der künftigen Erbmasse bereits zu Lebzeiten des Arztes etwa in Form von Schenkungen an weitere Erben dazu beitragen, den späteren Praxisübergang reibungslos zu vollziehen. Bei vermieteten Immobilien kann dies darüber hinaus mit einem Nießbrauch verbunden werden, der dem bisherigen Praxisinhaber auch in Zukunft die jeweiligen Mieteinnahmen garantiert.

Von ebenso großer Bedeutung ist eine rechtzeitige Nachfolgeplanung im Hinblick sowohl auf die Kunden als auch auf die Mitarbeiterinnen der Praxis. Es spricht in der Tat auch für die menschlichen Qualitäten des Arztes, es Patienten und Mitarbeiterinnen rechtzeitig zu ermöglichen, sich an den Gedanken einer neuen Praxisleitung zu gewöhnen. Hier wäre es in der Regel hilfreich, wenn der bisherige und der künftige Inhaber die Praxis einige Wochen gemeinsam leiteten und so für einen möglichst reibungslosen Übergang sorgten.

Zurück zu S.: Um weitere Irritationen zu vermeiden, wäre dieser gut beraten, sich umgehend mit seinem Steuerberater zusammenzusetzen und ein tragfähiges Konzept zur Praxisübergabe zu entwickeln. Dabei ist es absolut unvermeidlich, zunächst zumindest seinen Sohn von Anfang an in die Gespräche einzubinden. Gegebenenfalls ist auch ein Fachanwalt hinzuzuziehen, der vor allem die zu erwartenden steuerlichen Gesichtspunkte bewertet und in das Gesamtkonzept integriert.

„Vertrag zugunsten eines Dritten“ ist oft sinnvoll

Und auch daran sollte gedacht werden: Um einen möglichst komplikationslosen und sofortigen Übergang nach dem Ableben des jetzigen Praxisinhabers auch finanziell darzustellen und der Praxis damit die notwendige Liquidität zu sichern, sollten Ärzte über einen sogenannten Vertrag zugunsten eines Dritten nachdenken. Dieser Vertrag kann zwischen dem jetzigen und dem künftigen Praxisinhaber sowie der kontoführenden Bank vereinbart werden. Er sieht vor, dass die im Vertrag genannten Konten unmittelbar nach dem Ableben des bisherigen Praxisinhabers auf den Begünstigten als sogenannten Dritten umgeschrieben werden. Zeit- und kostenaufwendige Erbauseinandersetzungen können damit vermieden werden. Wichtig: Auch eine solche Variante sollte Teil eines Gesamtnachfolgekonzepts sein.

Michael Vetter

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema