ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Algorithmus für individualisierte AML-Therapie

AKTUELL: Akut

Algorithmus für individualisierte AML-Therapie

Dtsch Arztebl 2010; 107(49): A-2420 / B-2100 / C-2060

Gulden, Josef

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Die Aussichten von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), die älter als 60 Jahre sind, durch intensive Chemotherapie eine komplette Remission (und damit möglicherweise eine Heilung) zur erreichen, werden sich künftig besser vorhersagen lassen: Zwei deutsche Studiengruppen haben einen prädiktiven Algorithmus entwickelt, mit dessen Hilfe man die AML-Therapie weiter individualisieren kann.

Verglichen mit jüngeren Patienten ist die Chance auf eine Komplettremission bei Älteren mit etwa 50 Prozent deutlich schlechter und das Risiko für frühen Tod höher. Neben klinischen und Laborparametern spielen zyto- beziehungsweise molekulargenetische Marker (Flt3-ITD beziehungsweise Mutationen von NPM) für die Prognose eine Rolle. Sie wurden von deutschen Wissenschaftlern nun in einem praktisch anwendbaren Algorithmus zusammengefasst (Krug U et al. Lancet Oncol 2010; Online Dec 4, doi:10.1016/S0140-6736 [10]62105-8). Die Deutsche Kooperative AML-Studiengruppe (AMLCSG) und die Studienallianz Leukämie (SAL) stellen diesen Algorithmus für Hämatologen im Internet zur Verfügung (www.AML-Score.org).

Aus den Daten einer Studie der AMLCSG, in der 1 406 über 60-jährige Patienten eine intensive Chemotherapie erhalten hatten, wurde mittels multivariater Regressionsanalyse zunächst die Gewichtung von Faktoren herausgearbeitet, die signifikant mit Komplettremission oder frühem Tod assoziiert waren: Körpertemperatur, Alter, De-novo- beziehungsweise sekundäre Leukämie, Hämoglobin, Thrombozyten, Fibrinogen und LDH-Konzentration. Mit einem Score, der diese und zugleich die zyto- beziehungsweise molekulargenetischen Risikofaktoren berücksichtigt, wurde die Chance auf eine Komplettremission mit Werten zwischen zwölf und 91 Prozent korrekt vorhergesagt; ohne Kenntnis der genetischen Faktoren war die Prädiktion mit Werten von 21 bis 80 Prozent weniger genau. Für frühe Todesfälle ergaben sich Vorhersagewahrscheinlichkeiten von sechs bis 69 Prozent mit und von sieben bis 63 Prozent ohne Kenntnis der Genetik der Erkrankung. Mit den Daten einer Studie der SAL, in der 801 Patienten behandelt worden waren, konnten diese Werte im Wesentlichen bestätigt werden.

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Die Scores können eine Hilfe bei der schwierigen Entscheidung für oder gegen eine intensive Chemotherapie sein. Fraglich ist allenfalls, ob sich der Beginn der Therapie immer so lange aufschieben lässt, bis die genetischen Marker analysiert sind. Josef Gulden

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