ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Rehabilitation: DRGs – des Kaisers neue Kleider
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Als Arzt mit vielen Berufsjahren und damit Beobachter des menschlichen Lebens mit all seinen Irrwegen weiß man, dass es die Menschen besser haben, die aus Fehlern lernen, als jene, die stur Kurs halten, ohne Rücksicht auch auf eigene Verluste.

Vor der Einführung der DRGs – das ist ein offenes Geheimnis – hat man manchmal durch eine Verlängerung der Liegedauer Belegung und Wirtschaftlichkeit etwas verbessert, als sozial und moralisch verantwortlicher Arzt aber nur dort, wo auch ein Vorteil für die betroffenen Patienten erkennbar war. Heute fallen an dieser Stelle Kosten für Kurzzeitpflege an, vor allem aber für AHB nach wirtschaftlich indizierter, sehr früher Entlassung im Rahmen der DRG-Mindestliegedauer.

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Seit den DRGs wird die Wirtschaftlichkeit – auch das ein offenes Geheimnis – durch „upgrading“ verbessert, dieses ist, wie auch korrekte Codierung, mit erheblichem administrativem Aufwand verbunden, der Geld kostet . . .

Auf der Seite der Kostenträger erfolgt ein Gegen-Wettrüsten mit einer Vielzahl von Mitarbeitern, die die Angemessenheit der DRG-Codierung überprüfen. Mit viel weniger Zeit- und damit Personalaufwand konnte die Angemessenheit von Liegedauern überprüft werden. Ärzte werden mehr und mehr mit fachfremden und bürokratischen Aufgaben überlastet (hier wären auch die Zertifizierungen zu nennen). Sie haben dadurch immer weniger Zeit, sich dem Leid ihrer Patienten anzunehmen . . .

Es besteht aber die Hoffnung, dass Dr. med. Rösler und der sozial engagierte Herr Seehofer ein Ohr für die haben, die die Verantwortung für die Patienten tragen: die Ärzte. Der Rehabereich ist sicher nicht der Wichtigste in der Medizin, bisher aber eine selige, DRG-freie Zone, in der die Zeit der Ärzte, abgesehen von der Plage eines institutionalisierten QM (ein immanentes ist selbstverständlich!), noch weitgehend den Patienten gehört.

Ich appelliere an alle Verantwortlichen, bitte hier nicht den gleichen Fehler zu machen, sondern die Kräfte darauf zu bündeln, die DRG-Bürde wieder von der Akutmedizin zu nehmen. Man sollte an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern denken.

Dr. med. Peter Pommer, Gesundheitszentrum Oberammergau, 82487 Oberammergau

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