ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Bluttransfusionen: Ziel verfehlt
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In dem Artikel wird das extrem geringe Risiko einer Infektion mit Hepatitis C (1 : 10,9 Millionen) oder HIV (1 : 4,3 Millionen) geschildert und im Zusammenhang dazu das Sterberisiko (!) im Straßenverkehr ca. 500-fach höher angegeben. Zahlen, die gut wissenschaftlich zu belegen sind. Ich frage mich immer wieder: Warum muss ich als Arzt Patienten über dieses Minimalrisiko bei Bluttransfusionen aufklären, die ja schließlich nur bei gegebener Indikation wohlüberlegt angewandt werden? Wo doch auf der anderen Seite weder der Autohändler, der Tankwart oder der Fiskus (als Eintreiber der Kfz-Steuer) mich auf die Lebensgefährlichkeit des Kaufes und die Benutzung eines Autos oder Motorrades hinzuweisen und mit Durchschlag schriftlich aufzuklären haben?

Kann an dieser Stelle nicht einmal wieder etwas Ratio in unser Handeln einziehen und die überbordende Bürokratie durch weltfremde juristische Einflüsse zurückgedrängt werden? Während vor einigen Jahren klinische Studien mit zwei bis drei Seiten Patienteninformation auskamen, sind es heute eher zwölf bis 15 Seiten, die ein durchschnittlicher Mensch inhaltlich gar nicht mehr erfassen kann – Ziel verfehlt! Aber diversen juristischen Anforderungen wird Folge geleistet, was dann auch noch vielfach als QM erfasst und dokumentiert werden kann. Ich wünschte mir ein „back to the roots“ und die Unterstützung dazu durch unsere Standesvertreter, wo es die Politik schon nicht schafft.

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Dr. med. Burkhard Muche, 14109 Berlin

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