ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung: Honorarzuwachs und Bürokratiemonster

POLITIK

KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung: Honorarzuwachs und Bürokratiemonster

Dtsch Arztebl 2010; 107(49): A-2421 / B-2101 / C-2061

Rieser, Sabine

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Was hat das KV-System erreicht? Welche Aufgaben und Konflikte werden die nächsten Jahre prägen? Darüber diskutierte die Ver­tre­ter­ver­samm­lung – zum letzten Mal in dieser Amtsperiode.

Welcher Vorstand die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vom Frühjahr 2011 an führen wird, ist offen. Noch sind nicht alle Wahlen in den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) abgeschlossen, und so lange halten sich die amtierenden KBV-Vorstände, Dr. med. Andreas Köhler und Dr. med. Carl-Heinz Müller, mit Interessensbekundungen an einer zweiten Amtszeit zurück. Es zeichnet sich aber schon ab, dass KBV-kritische Organisationen wie der Deutsche Hausärzteverband oder Medi erheblich an Einfluss gewonnen haben.

Köhler und Müller zogen bei der letzten Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der zurückliegenden sechsjährigen Amtsperiode am 3. Dezember Bilanz und skizzierten die Herausforderungen der Zukunft. Die vergangenen Jahre „haben uns als Mandatsträgern und vor allem den Vertragsärzten und -psychotherapeuten einiges abverlangt“, sagte Köhler. „Vor allem der Richtungsstreit zwischen Kollektivvertrag und Selektivvertrag hat uns in schädliche Grabenkämpfe gezwungen.“ In der nächsten Amtsperiode stehe diese Grundsatzfrage aber erneut zur Debatte, prognostizierte der KBV-Vorstandsvorsitzende.

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Erst die Fakten, dann das Persönliche: „Immer spannend und sehr oft anstrengend“ seien die zurückliegenden Jahre gewesen, bilanzierte Dr. med. Andreas Köhler. Foto: Georg J. Lopata
Erst die Fakten, dann das Persönliche: „Immer spannend und sehr oft anstrengend“ seien die zurückliegenden Jahre gewesen, bilanzierte Dr. med. Andreas Köhler. Foto: Georg J. Lopata

Er verwies darüber hinaus auf die Erfolge der Honorarpolitik: Standen im Jahr 2004 insgesamt 26 Milliarden Euro an Honorar für die ambulante ärztliche Versorgung zur Verfügung, so werden es 2011 mehr als 32 Milliarden Euro sein. Wichtig wird es in nächster Zeit nach Köhlers Worten werden, beim Bürokratieabbau voranzukommen: „Jetzt höre ich schon Ihre Zwischenrufe: Und was ist mit den Ambulanten Kodierrichtlinien?“

Tatsächlich wurde darüber heftig diskutiert*. Wenn man „dieses Bürokratiemonster“ umsetzen wolle, dann müsse das extrabudgetär finanziert werden, forderte der baden-württembergische Delegierte und Vorsitzende des dortigen Hausärzteverbands, Dr. med. Berthold Dietsche. Schließlich entstünden jährlich Bürokratiekosten von 1,2 Milliarden Euro. Sein hessischer Kollege Dr. med. Dieter Conrad hatte sogar kleine rote Nikolausstiefel mitgebracht, um zu verdeutlichen, dass die Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) wie zu enges, unpassendes Schuhwerk seien, in das man die Ärzte mit Gewalt zwängen wolle.

Am Ende forderte die VV den KBV-Vorstand auf, die Kodierrichtlinien nachzubessern. Man solle die AKR im ersten Halbjahr 2011, wenn die Übergangsphase der Einführung läuft, „an die Bedürfnisse der Praxis, insbesondere im hausärztlichen Bereich“, anpassen. Die KBV-Führung solle zudem dafür Sorge tragen, dass die Umsetzung in den Praxisverwaltungssystemen optimal gestaltet werde.

Mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurde ein Antrag der KV Hessen, aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Verschiebung der Vergütung nach Morbiditätsgesichtspunkten auch die Kodierrichtlinien auszusetzen. Nur mit knapper Mehrheit wurde ein Antrag der KVen Baden-Württemberg, Bayerns und Hessen abgelehnt, die AKR zu stoppen, bis die Krankenkassen den Aufwand vergüteten.

Man arbeite mit Hochdruck an AKR-Verbesserungen für die Hausärzte, hatte Köhler zuvor versichert: „Um sie in einem durch die ICD-10 geprägten Dokumentationssystem in der stationären und ambulanten Versorgung nicht zu isolieren, soll die Struktur der ICPC mit ICD-10-Schlüsselnummern hinterlegt werden. Für viele ICPC-Codes ist eine eindeutige Übersetzung in einen ICD-10-Code möglich.“ Bei der ICPC handelt es sich um ein Klassifikationssystem für den allgemeinärztlichen Bereich.

KBV-Vorstand Müller hatte auf Fortschritte in seinen spezifischen Arbeitsbereichen verwiesen. „Mit dem Auf- und Ausbau der Online-Dienste, etwa der elektronischen Dokumentation, sind wir auf einem guten Weg zur Verwaltungsvereinfachung“, sagte er. Für das kommende Jahr stellte Müller den Vertragsärzten ein zeitnahes Feedback der KVen über ihr Arzneiverordnungsverhalten in Aussicht. Dafür können sie sich künftig in ein geschlossenes KV-Portal einloggen.

Sabine Rieser

*Beiträge zu den AKR und zur Zukunft des KV-Systems nach den Wahlen in DÄ, Heft 50

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