ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Geschäftskonten: Die Kosten im Blick

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Geschäftskonten: Die Kosten im Blick

Vetter, Michael

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Die Bankenregulierung wird auch an den Arztpraxen nicht spurlos vorübergehen.

Als vor zwei Jahren die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach und es annähernd deutlich wurde, in welchem Umfang „Ramschpapiere“ in Bankbilanzen verborgen waren, kam es zu einem weltweiten Finanzbeben, das auch in Deutschland noch längst nicht verdaut wurde. Die Bankenbranche bekommt nun, neben einem zum Teil erheblichen Vertrauensverlust aufseiten der Kunden, auch finanziell die Rechnung präsentiert. Sie wird mit einer Abgabe rechnen müssen, die pro Jahr circa 1,2 Milliarden Euro kosten und insgesamt 70 Milliarden Euro betragen soll. Damit wird eine finanzielle Reserve gebildet, auf die in weiteren Notfällen zurückgegriffen werden kann. Schließlich soll sich ein finanzielles Eingreifen des Staates, dessen Ende immer noch nicht abzusehen ist, zumindest in dieser Form möglichst nicht wiederholen.

So weit, so gut. Allerdings wird erst die Praxis zeigen, in welchem Umfang die Bankinstitute in der Lage sind, diese Bankenabgabe aus eigenen Mitteln aufzubringen – oder ob dafür die Kunden herangezogen werden. Dafür bestehen zwei Möglichkeiten: die Kreditzinsen und die Gebühren. Praxisinhabern ist vor diesem Hintergrund zu empfehlen, ihre Bankkosten im Blick zu halten, um gegensteuern zu können, wenn die Bank sich an ihnen schadlos halten will.

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Eine erste Übersicht kann dazu bereits ein Blick in die betriebswirtschaftlichen Auswertungen bieten, in denen die Bankkosten zu finden sind. In aller Regel spielen die Kreditkosten eine entscheidende Rolle. Bei einem nach wie vor niedrigen Zinsniveau ist es in den meisten Fällen hilfreich, wenn bei Praxiskrediten und Immobiliendarlehen mittel- und langfristige Zinsbindungen gewählt werden, an denen sich beide Vertragspartner während dieser Zeiträume zu halten haben.

Übrigens: Praxisinhaber, die dagegen in der glücklichen Lage sind, liquide Mittel anlegen statt aufnehmen zu können, sollten sich derzeit für Tages- oder Termingeldkonten mit Laufzeiten von bis zu maximal zwei, drei Monaten entscheiden, da sie bei längerfristigen Anlageformen ohnehin kaum mehr Zinsen erhalten. Praxisinhaber, die sogar an Anlagezeiträume von mehr als einem Jahr denken, sollten ebenfalls vorsichtig agieren. Geht es mit den Zinsen nämlich wieder aufwärts, müssen sie bei mittel- und langfristigen Anlagen mit Kursverlusten rechnen, wenn sie das Geld vor dem jeweiligen Ablauftermin benötigen.

Zurück zu den Kosten: Neben den Kreditzinsen gehören auch alle weiteren Bankkosten auf den Prüfstand. Vor allem jene Gebühren, die rund um die Praxiskonten entstehen, sind von Bedeutung. Dazu gehören neben den Kontoführungsgebühren in Form einer Kontopauschale oder eines Kostenmodells, das sich an den Kontoumsätzen orientiert, auch Zusatzgebühren, etwa für Bank- und Kreditkarten. Je nach Kreditinstitut sind weitere Gebühren möglich, wenn etwa der Überziehungskredit nicht in Anspruch genommen wird oder eine Provision berechnet wird, die sich am betrieblichen Umsatz orientiert.

Darüber hinaus sollte regelmäßig geklärt werden, ob durch eine Optimierung des Online-Bankings Kostenverringerungen möglich sind. Um die vielen Produktvarianten, die diese Technik bietet, kennenzulernen, bieten sich auf das individuelle Unternehmen zugeschnittene Praxissimulationen in den Bankräumen an. So sind neben der Abwicklung des Zahlungsverkehrs längst anspruchsvolle Programmalternativen üblich, die vom täglichen Kontoausgleich bei verschiedenen Banken zur Vermeidung von teuren Kredit- und Überziehungszinsen bis zur Terminüberwachung von Zahlungseingängen beziehungsweise von fälligen Zins- und Tilgungsraten reichen. Auch komplexe Liquiditäts- und Rentabilitätsprogramme, die Praxisinhaber bei der Unternehmenssteuerung helfen können, gehören zu den Angeboten der Finanzbranche.

Die Notwendigkeit einer vollständigen Kostentransparenz sollte im Ergebnis nicht strittig sein. Im Übrigen dürfte die Hausbankfunktion an Bedeutung verlieren, weil bisherige Nebenbankverbindungen die Gelegenheit nutzen werden, ihren Marktanteil bei Arztpraxen über preiswerte Angebote zu verbessern. Die Notwendigkeit der Bankenbranche, hier Aktivitäten zu entwickeln, ergibt sich auch durch die Anforderungen, die zurückgehende Erträge im Wertpapiergeschäft der Kreditinstitute mit sich bringen werden. Es ist legitim, dass Praxisinhaber dieses Spannungsfeld nutzen und sich als gleichberechtigter Geschäftspartner profilieren.

Häufig erwarten bisherige Nebenbankverbindungen zusätzliche Umsätze, wenn sie Praxen in ihren Kosten entgegenkommen. Dies ist durchaus üblich und auch verständlich. Allerdings sollten Praxisinhaber vor einem solchen Schritt erst einmal sorgfältig prüfen, ob bestehende Darlehensverträge mit der Hausbank dies überhaupt zulassen. Je nach Vertrag sind bestimmte Kreditkonditionen auch hier mit Umsatzzuweisungen in einer fest vereinbarten Höhe verbunden, die ernst genommen werden sollten.

Michael Vetter

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