ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Namu Art for Life Network: Der Schmetterlingseffekt

KULTUR

Namu Art for Life Network: Der Schmetterlingseffekt

Dtsch Arztebl 2010; 107(49): A-2460 / B-2132 / C-2092

Klinkhammer, Gisela

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Zahlreiche ehrenamtliche Helfer und Prominente engagieren sich in Berlin mit Musik-, Tanz-, Gesangs- und Theateraufführungen für kleine Patienten.

Foto: Gudrun Arndt
Foto: Gudrun Arndt

Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung eine musikalische Auflösung“, davon war bereits vor mehr als 200 Jahren der Dichter Novalis überzeugt. An dieser Einschätzung scheint sich bis heute nichts geändert zu haben. Der Berliner Verein „namu Art for Life Network“ jedenfalls geht davon aus, dass bei Kindern in Krankenhäusern Ängste und schmerzhafte Erfahrungen nicht ausbleiben, selbst wenn die medizinischen Behandlungen sehr einfühlsam durchgeführt würden. „Heute liegen zuverlässige Beweise dafür vor, dass Musik über wertvolle therapeutische Wirkungen verfügt. Deshalb ist Musik als angst- und schmerzlösendes Therapeutikum inzwischen in die klinische Medizin eingeführt“, erläutert der Verein seine Zielsetzung.

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Mit einem hohen Maß an Idealismus engagieren sich ehrenamtliche Helfer und prominente Gäste mit Musik-, Tanz-, Gesangs- und Theateraufführungen für die kleinen Patienten. Eines der zahlreichen Projekte des Vereins ist zum Beispiel die bunte Schmetterlingsshow des Gesangsensembles Aponi (indianisch für Schmetterling). „Inspiriert hat uns die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling – als Gleichnis dafür, dass in jedem Moment etwas Wundervolles schlummert. Zugleich glauben wir an den sogenannten Schmetterlingseffekt: Ein kleines Lächeln auf der einen Seite kann ein strahlendes Gesicht auf der anderen Seite bewirken.“

Schirmherr Dr. Patch H. Adams unterstützt seit Januar 2009 die Arbeit des von Una Gonschorr gegründeten Vereins. Foto: namu Art for Life Network e.V.
Schirmherr Dr. Patch H. Adams unterstützt seit Januar 2009 die Arbeit des von Una Gonschorr gegründeten Vereins. Foto: namu Art for Life Network e.V.

Ein weiteres Projekt ist das vom „dicksten Pinguin vom Pol“. Da es ihm am Südpol zu kalt ist, beschließt er, das Eismeer zu verlassen und nach Sardinien zu fahren. Doch am Ende seiner Reise befindet er sich keineswegs auf der italienischen Insel, sondern in Berlin, und zwar je nach Aufführungsort beispielsweise in Charlottenburg, Hellersdorf oder Neukölln. Das Hauptanliegen dieses Einpersonenstücks ist nach Angaben von Regisseurin Anja B. Kaul, „die Grenze zwischen Bühne und Zuschauern zu durchbrechen. Im Verlauf wird das Publikum immer mehr in die Handlung einbezogen“. Und wie sind die Reaktionen auf die Aufführungen? Nach Auffassung von Christine Langberg, Abteilungsschwester in der Kinderklinik der DRK-Kliniken Berlin-Westend, würden die Kinder in der Regel zunächst zurückhaltend reagieren, „weil sie diese Form der Ablenkung anfangs doch eher verwirrend empfinden. Die Kombination von Theater und Krankenhaus wird von den Kindern nicht so realisiert, da durch Kindergarten und Schule beide Bereiche getrennt vermittelt werden“. Doch das ändere sich schnell. „Die neuen Eindrücke bestärken Kinder – besonders diejenigen mit schweren neurologischen Einschränkungen – zu Kreativität und Motivation, die gespielten Szenen nachzuspielen.“ Prof. Dr. med. Lothar Schweigerer vom Helios-Klinikum Berlin-Buch bezeichnete den Besuch der Schmetterlingssänger als „eine immer willkommene Abwechslung, bei der unsere meist chronisch kranken Patienten den Klinikalltag einmal vollkommen vergessen können“.

Gegründet wurde der Verein von der Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin Una Gonschorr, die nach dem plötzlichen Krebstod einer Freundin die Idee zu diesem Projekt bekam. „Nach wenigen Tagen hatten sich mir spontan fast 60 Leute angeschlossen, die helfen wollten.“ Inzwischen tritt Gonschorr seit fünf Jahren mit ihrem Verein regelmäßig in Krankenhäusern und Hospizen, SOS-Kinderdörfern und Jugendeinrichtungen auf. Doch bevor die Künstlerin startete, informierte sie sich bei Ärzten und Psychologen darüber, was den kleinen Patienten guttut. „Wir haben uns genau erkundigt, welche Musik oder welche Farben den günstigsten Einfluss auf die Kinder haben. Dann ging es los.“ Die Theaterstücke schreibt das Team selbst. Außerdem komponiert es auch die Lieder und entwirft die Kostüme. Unterstützung für die weiteren Vereinsprojekte ist willkommen. Informationen: www.namunetwork.org.

Gisela Klinkhammer

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