ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Doping: Gendoping nicht universell nachweisbar
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Der Artikel mit der verheißungsvollen Überschrift „Bluttest erlaubt eindeutigen Nachweis von Gendoping“ suggeriert, dass ein universelles Mittel im Kampf gegen eine mögliche Zukunftsform der illegalen Leistungssteigerung gefunden sei.

Die Autoren der Originalarbeit beschreiben die Anwendung der Real-Time-PCR zum Nachweis von sechs Genen, die potenzielle Kandidaten für das Gendoping sind. Damit ist Gendoping aber keinesfalls endgültig vom Tisch und universell nachweisbar.

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Beiter et al. beschreiben in ihrer Arbeit, dass der Nachweis von Fremd-DNA in Mäusen nach intramuskulärer Injektion bei allen Versuchstieren für vier Wochen möglich sei. Danach sinkt die Nachweisquote ab. Da Gendoping jedoch bereits durch einmalige Anwendung langfristig wirksam sein könnte, wäre es möglich, dass Nachwuchsathleten einem solchen Verfahren unterzogen würden, ehe sie unter die Kontrollaufsicht der Anti-Doping-Agenturen fallen.

Es wäre außerdem denkbar, dass anstatt der direkten Injektion des Gendoping-Vektors (adeno-assoziiertes Virus, episomales Plasmid o. ä.) Stammzellen unterschiedlichster Herkunft isoliert, in vitro mit dem Gendoping-Vector transduziert und anschließend replantiert werden. Das „Doping-Gen“ würde beispielsweise per Virus in die Zellen eingeschleust und die so veränderten Zellen dem Körper wieder zugeführt; im Blut würde bei einer solchen Methode vom nachweisbaren genetischen Material nie etwas auftauchen.

Weiterhin wäre es möglich, dass die nun vorgewarnten künftigen Doping-Täter die Doping-Gene nicht als intronfreie cDNA erhalten, sondern als pseudogenomische DNA mitsamt den ursprünglichen Introns oder aber mit kleineren artifiziellen Introns versehen. Dies würde die Chance des beschriebenen Nachweisverfahrens zunichtemachen.

Andere Verfahren – als Beispiel sei hier die RNA-Interferenz angesprochen – bleiben naturgemäß von der beschrieben Nachweismethode gänzlich unberührt.

Literatur bei den Verfassern

Roland Roelz, 79106 Freiburg,
Andreas Kästner, 69121 Heidelberg

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