ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2010Chronische lymphatische Leukämie: Langfristige Krankheitskontrolle nach allogener Transplantation in Hochrisikofällen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische lymphatische Leukämie: Langfristige Krankheitskontrolle nach allogener Transplantation in Hochrisikofällen

Dtsch Arztebl 2010; 107(49): A-2450 / B-2121 / C-2082

Gulden, Josef

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Nicht alle Fälle von chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) verlaufen relativ indolent: Bei Patienten mit Hochrisikoprofil kann die Überlebenszeit bei median 3 Jahren liegen. Gute Erfahrungen mit einer langfristigen Krankheitskontrolle nach allogener Stammzelltransplantation veranlassten die Deutsche CLL-Studiengruppe zu einer multizentrischen prospektiven Studie, in die 100 Patienten mit CLL und ungünstiger Prognose eingeschlossen wurden; dazu zählten gegen Purinanaloga refraktäre Erkrankungen, Rezidive nach autologer Transplantation oder progrediente Erkrankungen mit ungünstiger Zytogenetik (11q-, 17p- und/oder unmutierter IGHV-Status und/oder VH3-21-Gen). Auf eine Konditionierung mit reduzierter Intensität (Fludarabin/Cyclophosphamid) folgte eine Stammzellspende von HLA-identischen Geschwistern oder nichtverwandten Spendern.

Bei 90 Patienten wurde die allogene Transplantation tatsächlich durchgeführt. Nach 4 Jahren lag die nichtrezidivbedingte Mortalität bei 23 %, die ereignisfreie Überlebensrate bei 42 % und die Gesamtüberlebensrate bei 65 %. Bei 52 Patienten wurde regelmäßig die minimale Resterkrankung (MRD) mittels Durchflusszytometrie oder quantitativer Real-time-Polymerasekettenreaktion bestimmt. Von ihnen waren 27 (52 %) ein Jahr nach der Transplantation MRD-negativ. In dieser Untergruppe lag die ereignisfreie Überlebensrate nach 4 Jahren bei 89 % (Hazard Ratio 0,13; p = 0,013); lediglich zwei dieser Patienten waren bei der jeweils letzten Untersuchung MRD-positiv getestet worden. Bemerkenswert war, dass das ereignisfreie Überleben nicht von zytogenetischen Anomalien beeinflusst wurde, auch nicht von der prognostisch besonders ungünstigen Deletion 17p. Die einzigen ungünstigen Einflussfaktoren für ereignisfreies und Gesamtüberleben waren in einer Multivarianzanalyse eine mangelnde Krankheitskontrolle bei Transplantation und eine Behandlung mit Alemtuzumab zur In-vivo-Depletion von T-Zellen; 17p-Deletion, gegen Purinanaloga refraktäre Erkrankungen und die Art der Stammzellquelle (Geschwister versus nichtverwandter Spender) spielten hingegen keine Rolle.

Fazit: „Diese Studiendaten sind für Patienten mit Hochrisiko-CLL sehr wichtig“, kommentiert Prof. Dr. med. Torsten Haferlach (München). Um zu definieren, wer für die Therapie infrage komme, und um abzuschätzen, wer profitieren könne, seien die Ergebnisse der Vortherapie und die biologische Beschreibung der CLL erforderlich. Keinesfalls ausschließen solle man Patienten mit ungünstigen FISH-Befunden, weil sich diese nicht negativ auf das Ergebnis der Transplantation auswirkten. Um den Erfolg der Therapie beurteilen und für künftige Studien noch spezifischere Empfehlungen geben zu können, ist eine MRD-Kontrolle angezeigt.

Josef Gulden

Dreger P et al.: Allogeneic stem cell transplantation provides durable disease control in poor-risk chronic lymphocytic leukemia: long-term clinical and MRD results of the German CLL Study Group CLL3X trial. Blood 2010; 116: 2538–47.

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