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Es ist kritisch anzumerken, dass die PRISCUS-Liste eine wesentliche Information schuldig bleibt. So wird stets von ungeeigneten Präparaten für Ältere gesprochen – eine genaue Altersangabe in Jahren oder eine klinisch adäquatere operationale Charakterisierung von Alter wird nicht vorgeschlagen. Damit gilt auch weiterhin das Dilemma der unkonkreten Zuordnung. Die Definition von Alter ist seit vielen Jahren eine recht akademisch geführte Diskussion, zu der es dringend einer Einigung bedarf.

Außerdem wird in der PRISCUS-Liste Risperidon als Therapiealternative zu Neuroleptika auch bei Demenzpatienten aufgezählt. Risperidon wird jedoch seit dem Jahr 2005 für diese Patientengruppe nicht mehr empfohlen und die Fachinformation des Fertigarzneimittels führt dies explizit auf. In einer Metaanalyse der Zulassungsbehörden zeigte sich eine tendenziell höhere Mortalität bei älteren Demenzpatienten (Risperidon: 4,0 %; Placebo 3,1 %) (1). Auch wenn die Anwendung von Risperidon angesichts der begrenzten Alternativen eine therapeutische Option sein kann, muss man beachten, dass der pharmazeutische Unternehmer mit seiner Warnung in der Produktspezifikation eine eigene Haftung ausschließt.

Nichtsdestotrotz ist mit der Entwicklung und Veröffentlichung der PRISCUS-Liste ein wichtiger Schritt hin zur Verbesserung der Pharmakotherapie von alten Patienten getan worden. Eine sinnvolle Ergänzung zur PRISCUS-Liste ist die von Stefanacci veröffentliche Liste von geeigneten Medikamenten (2).

Nun sollte im nächsten Schritt prospektiv evaluiert werden, ob die Einnahme der PRISCUS-Präparate tatsächlich mit höheren Problemraten assoziiert ist. Mittelfristiges Ziel ist es, die positiv evaluierten Elemente der PRISCUS-Liste in Versorgungsleitlinien und die Verordnungssoftware der Ärzte zu implementieren.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0899b

Dipl.-Pharm. Thomas Fiß

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

Ellernholzstraße1/2

17487 Greifswald

E-Mail: thomas.fiss@dzne.de

Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann, MPH

Institut für Community Medicine

Ellernholzstraße 1/2

17487 Greifswald

E-Mail: wolfgang.hoffmann@uni-greifswald.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Haupt M, Cruz-Jentoft A, Jeste D: Mortality in elderly dementia
patients treated with risperidone. J Clin Psychopharmacol 2006; 26: 566–70. MEDLINE
2.
Stefanacci RG, Cavallaro E, Beers MH, Fick DM: Developing explicit positive beers criteria for preferred central nervous system medications in older adults. Consult Pharm 2009; 24: 601–10. MEDLINE
3.
Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA: Potentially inappropriate medications in the elderly: The PRISCUS list. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(31–32): 543–51. VOLLTEXT
1. Haupt M, Cruz-Jentoft A, Jeste D: Mortality in elderly dementia
patients treated with risperidone. J Clin Psychopharmacol 2006; 26: 566–70. MEDLINE
2. Stefanacci RG, Cavallaro E, Beers MH, Fick DM: Developing explicit positive beers criteria for preferred central nervous system medications in older adults. Consult Pharm 2009; 24: 601–10. MEDLINE
3.Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA: Potentially inappropriate medications in the elderly: The PRISCUS list. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(31–32): 543–51. VOLLTEXT

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