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Wir danken den Autoren der Leserbriefe und auch vielen anderen Kolleginnen und Kollegen für ihre Anregungen zur PRISCUS-Liste potenziell inadäquater Medikamente (PIM) für Ältere.

Der von Dres. Schäfer und Wuttke ermittelte prozentuale Anteil der Patienten mit PIM ist sicher nicht vergleichbar zu dem sonst im ambulanten Bereich berichteten Anteil von etwa 20 % (1). Eine aktuell veröffentlichte Studie aus den USA zeigt, dass die Implementierung der Beers-Liste in das elektronische Verordnungssystem zu einem signifikanten Rückgang der Verordnungen von PIM führt (2).

Die in der ausführlichen PRISCUS-Liste gemachte Angabe zum erhöhten Frakturrisiko unter Pethidin gibt die Expertenmeinung aus der Arbeit von McLeod et al. wieder (3). Die von Dr. Gehling zitierte Studie stellt hingegen aktuelle Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie dar.

Die adjuvante Schmerztherapie mit Antidepressiva und Antikonvulsiva ist ein wichtiger Aspekt bei älteren Patienten. Die Bewertung dieser Arzneistoffe durch die Experten erfolgte überwiegend fokussiert auf die Indikation Depression beziehungsweise Anfallsleiden. So wurden Antidepressiva und Antikonvulsiva andererseits bewusst als Alternativen zu den als PIM beurteilten NSAID benannt.

Anhand der Risiko-Bewertung Diclofenac versus Etoricoxib möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass wir methodisch eine Konsens-Meinung von Experten genutzt haben, welchen wir möglichst umfassende Publikationen zur Verfügung gestellt haben. Die zitierte Studie von Fosbøl et al. (4) (Register-Studie, 5 Jahre vor Index-Datum keine Hospitalisierung, de facto „Arzneimittel-naiv“, [zum Beispiel keine Betablocker, Diuretika, ACE-Hemmer und vieles mehr]) betrachtet eine andere Population als die von uns als Zielgruppe definierte Gruppe der überwiegend multimorbiden Senioren.

Das von den Kollegen Fiß und Hoffmann angesprochene Dilemma einer fehlenden Definition für „Ältere“ beziehungsweise „Alter“ ist in der Tat unbefriedigend.

Wie von den Kollegen korrekterweise dargestellt, gilt die Empfehlung von Risperidon als Alternative zu potenziell inadäquat bewerteten Neuroleptika nicht für Demenz-Patienten. Diese wichtige Anmerkung gibt Gelegenheit, noch einmal auf eine Limitation hinzuweisen: die in der PRISCUS-Liste erwähnten Alternativen stellen Behandlungsvorschläge dar, die vor ihrem Einsatz zwingend einer patientenbezogenen Nutzen-Risiko-Bewertung zu unterziehen sind. Zusätzlich weisen wir explizit in der PRISCUS-Liste auf die Notwendigkeit der Beachtung der Fachinformationen hin.

Wir begrüßen es ausdrücklich, wenn die PRISCUS-Liste von möglichst vielen Forschergruppen eingesetzt und im Hinblick auf Prävalenz von PIM und Zusammenhang mit unerwünschten Ereignissen überprüft wird.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die vollständigen PRISCUS-Medikationsempfehlungen zur Unterstützung von Ärzten und Apothekern gedacht sind. Die Liste erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch ersetzt sie eine auf den einzelnen Patienten bezogene Nutzen-Risiko-Abwägung – vielmehr soll sie auf die besonderen Probleme bei der Arzneimitteltherapie älterer Menschen aufmerksam machen.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0900b

Stefanie Holt

Dr. med. Sven Schmiedl

Prof. Dr. med. Petra A. Thürmann

Klinische Pharmakologie

Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie

HELIOS Klinikum Wuppertal

Heusnerstraße 40

42283 Wuppertal

E-Mail: petra.thuermann@helios-kliniken.de

Interessenkonflikt

Prof. Thürmann wurde in den letzten 5 Jahren für die Durchführung zweier klinischer Phase-I-Studien (Firma Stada AG, Firma Biotest AG) honoriert. Sie erhielt Referentenhonorare von Bayer Vital und Biotest Pharma AG sowie Honorare für Mitgliedschaften in Data Safety Monitoring Boards (Ono Pharmaceuticals, Fresenius Kabi).

Dr. Schmiedl und Frau Holt erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Fialová D, Topinková E, Gambassi G, et al.: Potentially inappropriate medication use among elderly home care patients in Europe. JAMA 2005; 293: 1348–58. MEDLINE
2.
Mattison MLP, Afonso KA, Ngo LH, Mukamal KJ: Preventing potentially inappropriate medication use in hospitalized older patients with a computerized provider order entry warning system. Arch Intern Med 2010; 170: 1331–6. MEDLINE
3.
McLeod PJ, Huang A, Tamblyn RM, Gayton DC: Defining inappropriate practices in prescribing for elderly people: a national consensus panel. Can Med Assoc J 1997; 156: 385–91. MEDLINE
4.
Fosbøl EL, Folke F, Jacobsen S, et al.: Cause-specific cardiovascular risk associated with nonsteroidal anti-inflammatory drugs among
healthy individuals. Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2010; 3: 395–405. MEDLINE
5.
Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA: Potentially inappropriate
medications in the elderly: The PRISCUS List. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(31–32): 543–51.
VOLLTEXT
1.Fialová D, Topinková E, Gambassi G, et al.: Potentially inappropriate medication use among elderly home care patients in Europe. JAMA 2005; 293: 1348–58. MEDLINE
2.Mattison MLP, Afonso KA, Ngo LH, Mukamal KJ: Preventing potentially inappropriate medication use in hospitalized older patients with a computerized provider order entry warning system. Arch Intern Med 2010; 170: 1331–6. MEDLINE
3.McLeod PJ, Huang A, Tamblyn RM, Gayton DC: Defining inappropriate practices in prescribing for elderly people: a national consensus panel. Can Med Assoc J 1997; 156: 385–91. MEDLINE
4.Fosbøl EL, Folke F, Jacobsen S, et al.: Cause-specific cardiovascular risk associated with nonsteroidal anti-inflammatory drugs among
healthy individuals. Circ Cardiovasc Qual Outcomes 2010; 3: 395–405. MEDLINE
5.Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA: Potentially inappropriate
medications in the elderly: The PRISCUS List. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(31–32): 543–51.
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