ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Überweisungen: Lotsenfunktion bleibt Illusion
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Die Studie analysiert Patientenbewegungen wie Fährten eines Wildwechsels. Der Fährtenleser ahnt, wer sich wann und wo mit einem Formular versorgt hat, das im GKV-Bereich verwaltungstechnisch erforderlich ist. Kausalität oder Plausibilität können nicht interpretiert werden.

Das Spurenprofil lässt Spielraum zur Interpretation. Ich zweifle die von den Autoren gezogenen Schlüsse aus dem praktischen Alltag an. Direkte zweckgebundene Zuweisungen sind plausibel bei Pathologen, Labormedizinern oder Anästhesisten. D’accord.

Ein Großteil der Überweisungen hat formalen Charakter. Man spart sich dadurch zehn Euro Kassengebühr. Zu Quartalsbeginn werden an beliebiger Stelle alle absehbar nötigen Überweisungen mitgenommen, ohne dass hier eine fachliche „Zuweisung“ besteht. Zum Beispiel stellt der Facharzt unabhängig von seiner Behandlung eine Überweisung an den Hausarzt und Gynäkologen aus, wenn eine Patientin darum bittet. Ohne Kausalzusammenhang zum Beispiel zu einer quartalsweisen Glaukomtherapie.

Die Conclusio der Autoren bezüglich des fraglichen Primärarzt-Status bei Augenärzten und Psychiatern ist wegen der administrativen Vorgänge abseits der eigentlichen Medizin nicht valide. Hier sind die Zahlen der Behandlungsfälle pro Quartal klar: Gynäkologen und Augenärzte sind die meist konsultierten Fachärzte. Lotsenfunktion bleibt eine Illusion. Die Kompensation praxisfremder Planungen bleibt ärztlicher Alltag.

Dr. med. Stefan Bültmann, 68526 Ladenburg

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