ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1997Umweltthema im Oktober: Brandrodung und ihre Folgen

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Umweltthema im Oktober: Brandrodung und ihre Folgen

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

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LNSLNS Nachdem am 27. September 1997 auf Malaysia der Notstand wegen der Smogbelastung aufgehoben wurde, muß man sich nun mit den Folgen der Waldbrände beschäftigen. Dabei sind neben den wirtschaftlichen natürlich auch die medizinischen Aspekte dieser längsten nationalen Smogperiode von Belang.
Zuerst einmal ist wichtig zu klären, was eigentlich unter der oft angeprangerten Brandrodung zu verstehen ist. Brandrodung gibt es bereits seit Tausenden von Jahren in allen Kulturkreisen, die im Bereich der immerfeuchten Tropen zu finden sind.
Man hat sich dabei zunutze gemacht, daß der Boden beim Abbrennen von Holz auf einfache Art und Weise natürlich mit Stickstoffverbindungen gedüngt wird. Die tropischen Böden bringen zwar ungezählte Arten von Pflanzen zum Wachsen. Sie sind aber auf Grund ihrer geochemischen Zusammensetzung kaum geeignet, um größere Mengen an Nahrungsmitteln auf ihnen zu erzeugen.
Die Einheimischen wußten, daß eine Bearbeitung des Bodens über einen längeren Zeitraum als zwei Jahre keine nennenswerten Erträge erbringt. Danach kann zudem der Wald nicht mehr nachwachsen, was allerdings ein Prinzip der Brandrodung war. Der tropische Regenwald konnte folglich nur nachwachsen, weil lediglich kleine Areale gerodet wurden, die nicht mehr als zwei Jahre bearbeitet wurden. Danach bedeckte die ursprüngliche Vegetation wieder den Boden.
Die moderne Variante dieser Brandrodung ist allerdings das Roden mit Großmaschinen auf riesigen Arealen von mehreren 100 Quadratkilometern. Die Verantwortlichen sind dabei meist nicht an den verschiedenen Holzarten interessiert. Es geht vielmehr um Land für die agrare Nutzung. Der Fallstrick bleibt aber derselbe: Heute läßt sich durch moderne Düngemittel die Wachstumszeit von Nahrungsmitteln auf fünf Jahre verlängern. Der Boden ist danach aber so ausgelaugt, daß keinerlei Nachfolgevegetation mehr wachsen kann. Die Folge ist eine weitflächige Erosion und der mittelfristige Verlust des Bodens.
In Indonesien hat man nicht rechtzeitig berücksichtigt, daß durch die große Dürreperiode der letzten Wochen eine Brandrodung in bestimmten Gebieten unkontrolliert ausufern könnte. Dadurch kam es zu den Bränden, in Folge zu den enormen Verlusten an Wald und vor allem zu einer massiven Smogbelastung in Südostasien.
Asthma, Augeninfektionen und Ekzeme waren die Folge der starken Rauchentwicklung. Die Leidtragenden dieser Situation waren vor allem Kinder. Bei der Verbrennung der tropischen Hölzer entstehen neben Kohlenmonoxid und Kohlendioxid große Mengen an Stäuben. Dabei ist ein Teil dieser Stäube mit einem Durchmesser von mehr als 85 Mikrometer nicht in der Lage, sich länger als ein paar Stunden in der Luft zu halten. Der Staub wird nach wenigen Stunden als Sinkstaub zu Boden gehen oder sich auf der Haut von Menschen ablagern.
Gefährlicher ist aber auch hier der Schwebstaub, dessen Partikel kleiner als 10 Mikrometer sind und damit alveolargängig. Wichtig ist dabei zu wissen, daß sich an die Rußpartikel auch andere, bei Verbrennungsprozessen von fossilen Brennstoffen (Holz, Kohle et cetera) entstehende chemische Verbindungen anlagern können. Gerade Kohlenwasserstoffverbindungen werden hier häufig gefunden, wie das indische National Institute of Health in verschiedenen Veröffentlichungen darstellt. In Indien besteht das Problem von Schwebstaubentwicklung (Ruß) in hohem Maße, da viele Wohnungen über offene Feuerstellen mit Hölzern beheizt werden.
Bei der Interpretation der Belastungswerte taucht häufig der "API- Index" auf. Dabei handelt es sich um den "Air Pollution Index", der von der kanadischen Umweltbehörde in den 70er Jahren zur besseren Interpretation von Schwefeldioxid- und Schwebstaubwerten herangezogen wurde. Wie alle Luftqualitätsindizes soll hiermit eine Vereinfachung der Interpretation über standardisierte Werte erreicht werden. Mittlerweile wird aber der Begriff "API" allgemein genutzt, um auf einen Luftqualitätsindex hinzuweisen. Gemeint ist dabei aber in den meisten Fällen der amerikanische "PSI-Index" (The Pollutant Standards Index) der amerikanischen Umweltbehörde EPA, der auf bestehende Gesundheitsgefährdungen aufmerksam machen soll. Er wurde unter Beteiligung der amerikanischen Vereinigung der Lungenfachärzte ausgearbeitet.
Dabei entspricht ein Wert von 100 (PSI-Index) immer dem jeweils gültigen Grenzwert eines Stoffes. "Güte der Luft" bedeutet bei 0-50: gut, bei 51-100: mäßig, bei 101-200: ungesund, bei 201-300: sehr ungesund und bei 301 und mehr: katastrophal.
In Singapur und Kuala Lumpur wurden bei den Luftmessungen etwa 300 Punkte auf der PSI-Skala der amerikanischen Umweltbehörde EPA gemessen. In den Zentren der Verwüstungen wurden Werte von 600-700 Punkten gemessen. In Zukunft soll der PSI auch für die Zusammenfassung mehrerer Stoffe zur Verfügung stehen, ähnlich dem deutschen Luftqualitätsindex, der vom Verein Deutscher Ingenieure erarbeitet wurde.


Dr. rer. nat. Claus Rink
Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann

Rückfragen zur Karte: Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Tel 0 22 37/ 9 73 35-41 oder -43


Rückfragen zum Text: Dr. Claus Rink, Fax 0 22 38/45 01 40, e-mail: RINK@compuserve.com, oder Rink.UDS.enviroreport@-online.de

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