ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Studienfächer: Auswahl nach Neigung und Fähigkeiten

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Studienfächer: Auswahl nach Neigung und Fähigkeiten

Dtsch Arztebl 2010; 107(50): A-2518

Bühring, Petra

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Oberstufenschüler auf der Messe „Einstieg Abi“ in den Berliner Messehallen. Foto: Einstieg GmbH
Oberstufenschüler auf der Messe „Einstieg Abi“ in den Berliner Messehallen. Foto: Einstieg GmbH

Vom Arbeitskräftemangel im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich sollten Abiturienten sich bei der Wahl des Studium nicht beeinflussen lassen.

Die Zahl der Akademiker in Deutschland steigt so langsam, dass der Mangel an Arbeitskräften immer bedrohlicher für die Wirtschaft wird – vor allem im naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Bereich. Zwar ist die Anzahl der Studienanfänger dank verschiedener Maßnahmen von 26 Prozent eines Jahrgangs im Jahr 1996 auf 36 Prozent 2008 angestiegen (OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2010“). Dennoch prognostiziert Dieter Ecker-Lasser von der Bundesagentur für Arbeit allein für die Region Berlin/Brandenburg: „Wenn sich am Markt nichts dreht, können in drei Jahren 300 000 bis 400 000 qualifizierte Arbeitsplätze nicht besetzt werden.“

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Sollten Abiturienten deshalb nun ihr Studienfach nach den Notwendigkeiten der Wirtschaft oder nach persönlicher Neigung wählen? Diese Frage diskutierten Vertreter der Wirtschaft und Mitarbeiter von Studienberatungsstellen staatlicher Universitäten unter anderem bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Messe „Einstieg Abi“ (Kasten) in Berlin. Dr. Michael Winteroll, Studienberatung der Technischen Universität (TU) Berlin, warnt die zuhörenden Schüler beispielsweise
davor, einfach ein Fach zu studieren, „das einem eingeredet wird“. „Die Abbrecherquoten sind sehr hoch, weil viele Studenten nicht genau schauen, was sie wollen.“ Als abschreckendes Beispiel nennt er den Fall einer Studentin, die nach bestandenem Bauingenieurstudium den Berufsalltag kennenlernte, sich dem rauen Ton auf der Baustelle und dem Umgang mit Handwerkern nicht gewachsen fühlte und einen ganz neuen sprachlich orientierten Studiengang wählte. „So etwas sollte nicht passieren“. Thomas Klose, Studienberatung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, empfiehlt, „sich zu überlegen, was Sie später den ganzen Tag machen wollen“. Man solle vor allem „bei sich selbst bleiben“. Auch für Sozial- und Geisteswissenschaftler gebe es immer noch gute Berufsaussichten. „Eine reine Marktorientierung, ohne auf die eigenen Fähigkeiten zu achten, macht keinen Sinn“, warnt Klose. Der Vertreter der Bundesagentur, Ecker-Lasser, warnte indes davor, das Studienfach rein nach Neigung zu wählen. „Mit einem Abschluss in Philosophie hat man nur sehr wenige Möglichkeiten. Neigung, Eignung und Marktsituation sollten zusammen reflektiert werden.“

Die Siemens AG beugt dem Fachkräftemangel bereits seit zehn Jahren vor, indem sie betriebseigene duale Studiengänge anbietet, zum Beispiel einen Bachelor in Maschinenbau, Elektrotechnik oder Betriebswirtschaftslehre. Ein Hochschulstudium wird dabei kombiniert mit einer strukturierten praktischen Berufsausbildung. „Wer bei uns anfängt, wird an die Hand genommen und bekommt jegliche Unterstützung.“

Ein Hochschulstudium lohnt sich in jedem Fall – darin waren sich alle einig. Akademiker verdienen am meisten und sind am seltensten von Arbeitslosigkeit betroffen – ihr Anteil an der Arbeitslosenzahl macht nur sechs Prozent aus. Die Studienberater empfehlen außerdem, sich auch kleine ostdeutsche Städte wie Greifswald, Chemnitz oder Magdeburg anzuschauen. Für manche Studenten, die sich an den Massenunis westdeutscher Großstädte oder Berlins verloren fühlen, können die übersichtlichen Universitätsstädte im Osten eine echte Alternative sein. „In manchen Fächern hat man dort fast Privatunterricht“, schwärmt TU-Mitarbeiter Winteroll. Sein Sohn hat in Chemnitz studiert.

Petra Bühring

Chancenmarkt

Die „Einstieg Abi“ ist eine Messe zur Zukunftsplanung für Abiturienten, die mehrmals im Jahr in verschiedenen deutschen Städten organisiert wird. Zwei Tage lang informieren Unternehmen, staatliche und private Hochschulen, private Ausbildungsanbieter, Anbieter von Au-pair, Work- and-Travel sowie Sprachreisen über Möglichkeiten nach dem Abitur. Auch Anbieter von Studienkrediten und Studienplatzklagen gehören zu den Ausstellern. Zahlreiche Vorträge zu den Themen Berufsorientierung, richtige Bewerbung, Selbstpräsentation und Karriereplanung runden das Angebot ab. Die Messe richtet sich an Jugendliche der Jahrgangsstufen 11 bis 13, an Eltern und Lehrer.

Bei der gut besuchten Messe in Berlin waren circa 300 Aussteller am Start. Vor allem Schüler zog es in die Messehallen. Die Einstieg GmbH ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das vor zehn Jahren in Köln gegründet wurde.

Informationen und die nächsten Messetermine im Internet: www.einstieg.com.

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