ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Synergetik-Methode und Heilpraktikererlaubnis

RECHTSREPORT

Synergetik-Methode und Heilpraktikererlaubnis

Dtsch Arztebl 2010; 107(50): A-2530 / B-2198 / C-2154

Berner, Barbara

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Die Synergetik-Methode ist Ausübung der Heilkunde und bedarf somit einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden.

Ausübung der Heilkunde nach § 1 Absatz 2 Heilpraktikergesetz (HeilprG) ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen. Wegen der mit dem Erlaubniszwang verbundenen Beschränkung der Berufsfreiheit fallen nach der ständigen Rechtsprechung nur solche Heilbehandlungen darunter, die nach allgemeiner Auffassung ärztliche Fachkenntnisse erfordern und gesundheitliche Schäden verursachen können. Die Synergetik-Methode, gleich, ob als Therapie oder sogenanntes Profiling, soll Krankheiten heilen oder lindern. Die Methode präsentiert sich als etwas grundsätzlich Neues im Gesundheitswesen, als die „vierte Kraft“ neben den Methoden von Ärzten, Heilpraktikern und Psychotherapeuten sowie als höchste Stufe der Heilung – auf unterster Stufe steht danach die Schulmedizin mit einer bloßen Symptombekämpfung und -unterdrückung. Dem so vermittelten Eindruck einer Heiltätigkeit kann nicht entgegengehalten werden, die Methode gebe kein Heilversprechen ab. Die Präsentation der Methode ist vielmehr genau darauf gerichtet. Dies zeigt sich beispielhaft an den Aussagen zur Behandlung von Brustkrebserkrankungen. So werden in einer sogenannten Brustkrebsstudie zahlreiche Beispiele einer Behandlung durch die Synergetik-Therapie vorgestellt, zum Beispiel mit Ultraschallaufnahmen, die angeblich das Verschwinden von Knoten in der Brust nach einigen Synergetik-Sitzungen belegen können. Anders als Wunder- oder Geistheiler setzt die Methode auch nicht auf eine bloße spirituelle oder rituelle Heilung, die sich derart vom Erscheinungsbild einer medizinischen Behandlung entfernt, dass sie nicht mehr den Eindruck erwecken kann, es handele sich um den Ersatz für medizinische Betreuung. Vielmehr wird nach Auffassung des Gerichts der gegenteilige Eindruck erweckt. Dem Kläger, der sich als Gründer der Methode versteht und an seinem Wohnsitz ein Synergetik-Institut, das Therapien und Ausbildungskurse anbietet, betreibt, ist demnach diese Behandlung als unerlaubte Ausübung der Heilkunde untersagt worden. (Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 26. August 2010, Az.: 3 C 28.09) RAin Barbara Berner

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