ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Neurochirurgie: Bildgebung mit integrierter Navigation

TECHNIK

Neurochirurgie: Bildgebung mit integrierter Navigation

Dtsch Arztebl 2010; 107(50): A-2516 / C-2143

EB

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Der „O-Arm“ im Einsatz im neurochirurgischen Operationssaal des Universitätsklinikums Würzburg. Foto: Universitätsklinik Würzburg
Der „O-Arm“ im Einsatz im neurochirurgischen Operationssaal des Universitätsklinikums Würzburg. Foto: Universitätsklinik Würzburg

Seit Mitte Mai 2010 verfügt die Neurochirurgie der Universitätsklinik Würzburg über ein Bildgebungssystem mit integrierter Navigation, das hochpräzise Operationen an der Wirbelsäule und am zentralen Nervensystem ermöglicht. Es verbessert zudem die Sicherheit und die Kontrollmöglichkeiten bei der minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie und verringert die Strahlenbelastung für Patient und Operateur.

Die Gerätekombination des US-amerikanischen Medizintechnikherstellers Medtronic besteht aus dem „O-Arm“, einer der Computertomographie ähnlichen Bildwandlertechnik mit der Möglichkeit drei- dimensionaler Aufnahmen, und dem Navigationssystem „Stealth Station“ zur exakten anatomischen Lokalisation während neurochirurgischer Eingriffe. Mittels der Neuronavigation markieren die Ärzte zunächst die Position der zu operierenden Stelle. Dazu bringen sie am Patienten eine kreuzförmige Markierungseinheit an, die das Navigationssystem mit seiner Infrarotstereokamera erkennt. Auch die Operationsinstrumente tragen derartige Marker. Da das System die Maße der Instrumente kennt, kann es den Operateur auf den Bruchteil eines Millimeters genau leiten.

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Das Bildgebungssystem ermöglicht 360°-Aufnahmen, die während der Operation über eine kreisförmige Kameraschiene aufgenommen werden. Die dabei entstehenden dreidimensionalen Bilder kombiniert das Navigationssystem in Echtzeit mit den vorher beschriebenen Positionsdaten. „Mit dieser technischen Unterstützung aus der Vernetzung beider Systeme kann der Neurochirurg zu jedem Zeitpunkt der Operation den Verlauf des Eingriffs überprüfen und notfalls direkt korrigieren“, erläuterte Prof. Dr. med. Ralf-Ingo Ernestus, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik der Würzburger Uniklinik den Fortschritt, der durch die Kombination der beiden Techniken erreicht wird.

Das klassische Einsatzgebiet des Systems sind Wirbelsäulenoperationen. Hierzu zählt hauptsächlich die Verbindung von Wirbelkörpern bei fortgeschrittenen Bandscheibenschäden mit begleitender Instabilität. Hinzu kommen komplexe Wirbelsäulenerkrankungen, die etwa aus Kombinationen von Fehlstellungen, Verkalkungen und Einengungen des Spinalkanals bestehen können. Darüber hinaus soll an der Würzburger Uniklinik ein Referenzzentrum für intraoperative Bildgebung und Navigation entstehen. EB

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