ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Lernspiel: Problematisch
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Medienkonsum und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – das ist sicher keine unproblematische Beziehung. Kinder mit ADHS neigen offenbar zu übermäßigem Medienkonsum (z. B. C. Pfeiffer: www.kfn.de/versions/kfn/assets/pisaverlierer.pdf). Ob übermäßiger Medienkonsum umgekehrt die ADHS-Symptomatik begünstigt, ist wissenschaftlich wohl noch nicht zweifelsfrei geklärt. Zumindest „stiehlt“ der Medienkonsum gerade diesen Kindern Zeit, die sie vermutlich nutzbringender hätten verwenden können.

Auch wenn das hier vorgestellte Computerspiel „Zappelix zaubert“ von einem auf dem Gebiet „ADHS“ renommierten Kinderarzt entwickelt wurde, halte ich es für problematisch, dass ein solches Spiel als Therapeutikum angepriesen wird, noch ehe offizielle Ergebnisse entsprechender (Langzeit-)Studien vorliegen, durchgeführt von wissenschaftlich unabhängiger Seite . . .

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Auf der Webseite www.zappelix.de heißt es „Die Wirksamkeit des neuen PC-Spiels ,Zappelix zaubert‘ wird zurzeit in einer Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Angewandte Psychologie, Zürich, untersucht, die Ergebnisse werden in Kürze veröffentlicht.“ Im nächsten Satz geht es weiter mit „Es ist abzusehen, dass sich mit ,Zappelix zaubert‘ deutliche Therapieerfolge erzielen lassen.“

Schade, dass ein solches Computerspiel, das als Therapeutikum definiert wird und mit dem das Geld der Betroffenen und das von Ärzten verdient werden soll, noch vor Beendigung der Auswertung einer Prüfstudie auf die Kinder „losgelassen“ werden darf . . .

Dr. med. Hartmut Michels,
82467 Garmisch-Partenkirchen

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