ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Ambulante Kodierrichtlinien: Unterstützung zum Start

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Ambulante Kodierrichtlinien: Unterstützung zum Start

Dtsch Arztebl 2010; 107(50): A-2487 / B-2161 / C-2117

Rieser, Sabine

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Von 2011 an gelten für ambulant tätige Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten die Ambulanten Kodierrichtlinien, allerdings mit einer halbjährigen Übergangsphase. Die KBV setzt darauf, dass vielfältige Infoangebote das Verständnis fördern.

Viele Vertragsärzte und -psychotherapeuten finden es problematisch, dass sie sich regelmäßig zum Jahreswechsel auf neue Rahmenbedingungen einstellen müssen, sei es bei der Fortbildung, beim Honorar oder bei der Qualitätssicherung. Auch in diesem Jahr stehen am Ende Veränderungen an: Von 1. Januar 2011 an gelten die Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR), ein Leitfaden zum besseren Verschlüsseln von Diagnosen.

Allerdings haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Krankenkassen auf eine halbjährige Übergangsfrist verständigt, so dass Vertragsärzte und -psychotherapeuten im ersten Halbjahr 2011 selbst festlegen können, wann sie einsteigen wollen. In den zurückliegenden Wochen haben zahlreiche Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) zudem Schulungen angeboten.

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Die Informationsbroschüre liegt einer Teilauflage dieser Ausgabe bei. Sie kann darüber hinaus von der Homepage der KBV heruntergeladen werden (www.kbv. de).
Die Informationsbroschüre liegt einer Teilauflage dieser Ausgabe bei. Sie kann darüber hinaus von der Homepage der KBV heruntergeladen werden (www.kbv. de).

Darüber hinaus hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine Broschüre herausgegeben, die einer Teilauflage dieser Ausgabe beiliegt und zudem neben zahlreichen weiteren Detailinformationen auf der Homepage der KBV zu finden ist (www.kbv.de). Sie enthält allgemeine Hinweise zum neuen Regelwerk, zahlreiche Servicetipps und Hilfen für die Praxen, die die AKR anwenden müssen. Das Deutsche Ärzteblatt plant zusätzlich ein Fortbildungsangebot.

„Nur mit einer möglichst detaillierten Kodierung lässt sich die Morbidität der Versicherten verlässlich darstellen. Sie ist die unverzichtbare Grundlage für die Verhandlungen mit den Krankenkassen, um die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung ab 2013 weiterentwickeln zu können“, hatte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. med. Andreas Köhler, kürzlich betont (siehe auch Interview in diesem Heft). „Die Ambulanten Kodierrichtlinien sind damit bares Geld wert.“

Die Kodierrichtlinien haben jedoch nach wie vor zahlreiche Kritiker. Vor allem der erhebliche bürokratische Aufwand wird gegen die AKR angeführt, zuletzt auf der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der KBV Anfang Dezember in Berlin (DÄ, Heft 49/2010). Trotz des Widerstands im Vorfeld, unter anderem vonseiten des Deutschen Hausärzteverbands und zahlreicher KV-Ver­tre­ter­ver­samm­lungen, votierte die VV mehrheitlich am Ende aber doch nicht für eine Aussetzung oder Verschiebung.

So betonte der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen-Anhalt, Dr. med. Burkhard John, die AKR seien ein notwendiges Instrument angesichts der honorarpolitischen Ziele, die man sich gesetzt habe. Dr. med. Angelika Haus, Delegierte der KV Nordrhein, sagte, man wolle doch zeigen, was man im Bereich der ambulanten Versorgung könne: „Deshalb kommt man an einer präzisen Kodierung nicht vorbei.“

Die Kodierrichtlinien sollen dazu beitragen, dass Diagnosen besser als zuvor verschlüsselt werden. Sie erläutern die teilweise schwer verständlichen Vorgaben der ICD-10-GM und engen Interpretationsspielräume ein. Das Regelwerk besteht aus einem allgemeinen und einem speziellen Teil. Im allgemeinen Teil werden die Basisregeln des Verschlüsselns erläutert, beispielsweise, was unter einer Behandlungsdiagnose zu verstehen ist oder wie ein akuter Krankheitszustand im Gegensatz zu einem „Zustand nach“ zu verschlüsseln ist.

Die speziellen Kodierrichtlinien umfassen unter anderem Vorgaben für die Verschlüsselung einzelner Krankheiten oder Behandlungssituationen sowie Plausibilitätskriterien für bestimmte Verfahren oder Befunde. So darf beispielsweise eine Schizophrenie nur dann als gesichert kodiert werden, wenn ein Psychiater, Neurologe oder Psychotherapeut die Diagnose bestätigt hat oder den Patienten mitbehandelt.

In der Broschüre gibt es zudem Tipps, wie man sich die neuen Richtlinien am besten aneignet. Außerdem berichtet der Münchener Dermatologe Dr. med. Sebastian Biltz über seine Kodiererfahrungen. Biltz gehört zu den bayerischen Ärzten und Psychotherapeuten, die die AKR im dritten Quartal getestet haben (weiterer Erfahrungsbericht in diesem Heft).

Sabine Rieser

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