ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Mikroskopische Analyse der Diabetischen Neuropathie

AKTUELL: Akut

Mikroskopische Analyse der Diabetischen Neuropathie

Dtsch Arztebl 2010; 107(50): A-2478

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Mehr als die Hälfte aller Diabetiker entwickelt eine Neuropathie. Sie beeinträchtigt die Sinneswahrnehmung und die Funktion von Organen. Künftig könnte eine mikroskopische Analyse der Augenhornhaut die Früherkennung von krankhaften Veränderungen ermöglichen, so dass Betroffene vor schweren Nervenschäden bewahrt werden könnten, so die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).

Wissenschaftler an der Universitätsaugenklinik Rostock entwickeln derzeit eine Methode, die mit Hilfe digitaler Bildverarbeitung der konfokalmikroskopischen Bilder erste Anzeichen einer diabetischen Neuropathie erkennt. Damit ließe sich künftig die aktuelle Situation des Patienten zuverlässig und ohne operativen Eingriff ermitteln. Die Arbeitsgruppe unter Prof. Dr. med. Rudolf Guthoff fand in ihren Untersuchungen heraus, dass sich der Verlauf der diabetischen Neuropathie im Nervengeflecht der Augenhornhaut widerspiegelt. Auch die diabetische Retinopathie, also die Schädigung der Netzhaut, korreliert mit der diabetischen Neuropathie (Br J Ophthalmol. 2010 Sep; 94 [9]:1133–5).

„Anhand von Veränderungen der Nervenfasernlänge und -dichte, der Anzahl der Nervenverzweigungen und dem Grad der Nervenwindungen in der Hornhaut können wir strukturelle Veränderungen des peripheren Nervensystems – also außerhalb von Gehirn und Knochenmark – erkennen“, erläutert Guthoff als Leiter der Sektion „Ophthalmoplastische und rekonstruktive Chirurgie“ der DOG.

Anzeige

Die Experten arbeiten derzeit an einer nichtoperativen diagnostischen Methode, die bereits kleinste Veränderungen des peripheren Nervensystems über die Hornhaut des Auges wahrnimmt: Mittels digitaler Bildverarbeitung erkennen sie qualitative und quantitative Veränderungen neuropathiebedingter Verformungen der Hornhaut. „Künftig könnten wir mit diesen Erkenntnissen eine sehr zuverlässige Diagnose über Krankheitsverlauf, bisherige Schäden und Stadium stellen“, sagt Guthoff. „Wir haben sozusagen das optische Fenster zum peripheren Nervensystem erblickt.“

Da die Nervenschäden einsetzen, bevor die ersten Beschwerden auftreten, bemerken die Betroffenen den schleichenden Prozess der Nervenerkrankung häufig nicht. Bereits eingetretene Schäden sind allerdings nicht mehr reversibel. Daher nimmt die Studie einen besonderen Stellenwert in der Verbesserung der Lebensqualität betroffener Menschen ein“, bilanziert Prof Dr. med. Christian Ohrloff (Universtätsklinik Frankfurt/Main). EB

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema