ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2010Kinder- und Jugendärzte: Für eine bessere Versorgung von Migrantenkindern

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Kinder- und Jugendärzte: Für eine bessere Versorgung von Migrantenkindern

Dtsch Arztebl 2010; 107(50): [83]

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Eine bessere medizinische Versorgung von Migrantenkindern in Deutschland hat die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) gefordert. Jungen und Mädchen mit ausländischen Wurzeln seien im deutschen Gesundheitswesen von Chancengleichheit noch weit entfernt, erklärten die Ärzte in Düsseldorf. Es gebe zahlreiche sprachliche, kulturelle und bürokratische Barrieren, die einer angemessenen Teilhabe an notwendigen Leistungen des Gesundheitswesens entgegenstünden. Nach Darstellung der DGSPJ haben mehr als 30 Prozent der Kinder in Deutschland einen Migrationshintergrund; jährlich wanderten etwa 70 000 Jungen und Mädchen mit ihren Familien zu.

„Im Vergleich zu deutschen Kindern sind Kinder mit Migrationshintergrund häufiger von Adipositas und Anämien betroffen und leiden vermehrt an psychischen Störungen“, erläuterten die Kinder- und Jugendärzte. Besonders problematisch sei die Versorgung von chronisch kranken oder behinderten Migrantenkindern. Die Gesellschaft verwies auf sprachliche und kulturelle Barrieren. Zudem wüssten Migrantenfamilien häufig nichts über Angebote der Vorsorge, der Früherkennung und der Prävention. Gerade Migrantenfamilien mit chronisch kranken oder behinderten Kindern täten sich zudem mit der deutschen Bürokratie schwer.

Die DGSPJ forderte mehr Aus- und Fortbildungsangebote für Fachkräfte. Als positives Beispiel nannte sie ein großes Münchener Klinikum, das ein „Fachreferat Interkulturelle Versorgung“ und einen hausinternen Dolmetscherdienst eingerichtet hat. Schon die Bereitstellung von fremdsprachigem Informationsmaterial könne das Gesundheitsbewusstsein fördern und langfristig auch Kosten sparen. Vorbildhaft seien auch Projekte mit Gesundheitslotsen, die inzwischen in mehreren Bundesländern erfolgreich durchgeführt würden. WZ

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