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Der Artikel würde sehr davon profitieren, wenn entsprechend der eingeschränkten Ausgangspopulation die vorgestellten Daten zum Beispiel als Konsultationsprävalenz der AOK-Versicherten bezeichnet wären. Die Basis der Erhebung schließt die Patienten der AOK aus, die das Gesundheitssystem nicht in diesem Zeitraum beansprucht haben, jedoch trotzdem erkrankt sind, weshalb die Konsultationsprävalenz definitiv niedriger ist, als die tatsächliche Gesamtprävalenz. Ebenfalls wäre der Selektionscharakter der gewählten Versichertenpopulation zu diskutieren. Die Schlussfolgerung kann nur sein, für die Betrachtung von Prävalenzen ausschließlich auf die Gesamtprävalenz aus Querschnittstudien zu beschränken.

Zu den Verordnungshäufigkeiten: „Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Methylphenidat wird [. . .] als ein relevantes Public-Health-Problem angesehen.“

Diese Formulierung zeigt nur, welche emotionale Stellung die Autoren dieser Studien zur Anwendung von Methylphenidat (MPH) haben. Es ist sachlich betrachtet befremdlich, wenn die indikationsgerechte Anwendung eines zugelassenen Medikamentes bei einem massiv einschränkenden Krankheitsbild als Problem bezeichnet wird. Ist Behandlung mit MPH per se ein Problem? Eine Diskussion wäre wünschenswert.

Die Behandlungsprävalenz der bei der Arbeit verwendeten Vergleichsgruppe von 1 bis 1,5 % bedeutet im Vergleich zur Gesamtprävalenz von 5 bis 7 % (2) einen Anteil der Medikation von circa 15 bis 20 %. Das ist im Vergleich zu den anderen psychiatrischen Krankheitsbildern eher wenig und nährt den Verdacht nicht, dass übermäßig viele Erkrankte ungerechtfertigt mediziert sind.

Zu der Zunahme der verordneten MPH-Menge: Die längere Behandlungsdauer bis an das Erwachsenenalter heran berücksichtigt aktuelle Daten, wonach um den zehnten Geburtstag die Hyperaktivität, jedoch nicht die Erkrankung verschwindet. Gleiches gilt für die Erhöhung der Tagesdosen. Die Abkehr von der reinen Schulzeitbehandlung bewirkt, dass 4 bis 6 zusätzlich behandelte Stunden pro Tag die Verordnungsmenge steigern.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0918a

Dr. med. Karsten Dietrich

Hoefftstraße 32

29525 Uelzen

E-Mail: praxis.dietrich@gmx.de


Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Schubert I, Köster I, Lehmkuhl G: The changing prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder and methylphenidate prescriptions: A study of data from a random sample of insurees of the AOK health insurance company in the german state of Hesse, 2000–2007. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 615–21. VOLLTEXT
2.
Schlack R, Hölling H, Kurth BM, Huss M: Die Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2007; 50: 827–35. MEDLINE
1.Schubert I, Köster I, Lehmkuhl G: The changing prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder and methylphenidate prescriptions: A study of data from a random sample of insurees of the AOK health insurance company in the german state of Hesse, 2000–2007. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 615–21. VOLLTEXT
2.Schlack R, Hölling H, Kurth BM, Huss M: Die Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2007; 50: 827–35. MEDLINE

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