ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1996Alkohol in Medikamenten: Kinderschutz auch bei Arzneimitteln

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Alkohol in Medikamenten: Kinderschutz auch bei Arzneimitteln

Steinhorst, Dietrich

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die meisten Eltern wünschen sich risikoarme oder gar risikolose Arzneimittel. Deshalb sind natürliche, pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel in der Pädiatrie sehr verbreitet. Um so erstaunlicher, daß immer noch eine Anzahl von häufig verschriebenen Arzneimitteln für Kinder einen Alkoholgehalt bis zu 47 Prozent haben. Wie Prof. Berthold Koletzko (Uni-Kinderklinik München) auf einer Pressekonferenz der Sanofi Winthrop/Plato sagte, sind in der "Roten Liste" 1995 zehn alkoholhaltige Präparate aufgeführt, die überwiegend Säuglingen und Kindern verschrieben werden.
Alkohol kann aber schon in kleinen Mengen Säuglingen und Kindern schaden, weil der junge Organismus darauf weit sensibler reagiert als Erwachsene. Die alkoholische Wirkung ist aufgrund der höheren Durchgängigkeit der Blut-Hirn-Schranke größer, gleichzeitig ist das alkohol-abbauende Enzymsystem noch nicht ausgereift, so Koletzko. Da Eltern eher "etwas mehr" von einer natürlichen Arznei geben, wenn ihr Säugling zum Beispiel heftig hustet, steigt bei den kleinen Patienten auch der Blutalkoholgehalt an – Werte von bis zu 0,4 Promille können so erreicht werden, wenn eine Tagesdosis auf einmal gegeben wird. Ebenso kann Alkohol in größeren Mengen bei Säuglingen zu Hypoglykämien führen.
Deshalb sollten Medikamente für Kinder bis zu sechs Jahren möglichst keinen oder – wie in den USA gesetzlich festgelegt – maximal 0,5 Prozent Alkohol enthalten. Nach Koletzko sollten die Ärzte auf die Verordnung alkoholhaltiger Arzneimittel für Kinder verzichten, zumal alkoholfreie Medikamente als Alternative zur Verfügung stehen. Auch der Deutsche Kinderschutzbund schließt sich dieser Forderung an.
Die von der Sanofi-Tochter Plato Plantorgan ins Leben gerufene Initiative "Alkoholfreie Medikamente für Kinder" will erreichen, daß an Kinder unter sechs Jahren nur alkoholfreie Medikamente abgegeben werden und daß auch für ältere Kinder alkoholfreie oder -arme Arzneimittel zur Verfügung stehen. Weiterhin fordert die Initiative, daß alkoholhaltige Arzneimittel deutlicher als bisher gekennzeichnet werden. Dietrich Steinhorst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote