Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Autoren danken den Verfassern der Leserbriefe für ihre Hinweise. Herr Dr. Dietrich weist in seinem Schreiben zu Recht darauf hin, dass in den Krankenkassendaten die Erkrankung nur bei Versicherten mit Arztkontakt dokumentiert werden kann und schlägt für die Prävalenzschätzung die Bezeichnung „Konsultationsprävalenz“ vor. Wir tragen diesem Aspekt in unserem Beitrag mit den Bezeichnungen „Behandlungsprävalenz“ oder „administrative“ Prävalenz Rechnung. Wir stimmen mit Herrn Dietrich darin überein, dass diese administrativen Prävalenzen im Vergleich zu bevölkerungsbezogenen Surveys niedriger ausfallen, da diese, wie zum Beispiel der Kinder- und Jugend-Gesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts (1), auch nicht bekannte Krankheitsfälle und Erkrankte, die keinen Arzt aufsuchen, berücksichtigen können. Wir sehen jedoch in den Routinedaten, die keinen Selektions- oder Erinnerungsbias aufweisen, eine wichtige Ergänzung zu den aufgrund der hohen Kosten nur in größeren Abständen durchführbaren Surveys.

In der Diskussion weisen wir darauf hin, dass die Behandlung mit Methylphenidat in vielen Ländern als Public-Health-Problem erachtet wird. Aus dem Kontext wird deutlich, dass sich diese Aussage auf den in vielen Ländern zu beobachtenden Verordnungsanstieg und damit auf das dahinter stehende Phänomen der Zunahme der Diagnosenennung mit all den sozialen, medizinischen, aber auch gesundheitsökonomischen Konsequenzen bezieht. An keiner Stelle des Manuskriptes wird eine indikationsgerechte Behandlung als Problem bezeichnet.

In unserer Untersuchung konnten wir zeigen, dass nicht jede Diagnosekodierung zu einer Verordnung von Stimulanzien führt. Allerdings hat der Anteil mit einer medikamentösen Therapie zwischen 2000 und 2007 von 35,5 % auf 48 % zugenommen. Aus der von Dr. Dietrich geäußerten Annahme, dass andere psychiatrische Erkrankungen höhere medikamentöse Behandlungsprävalenzen aufweisen, kann unseres Erachtens nicht auf die Qualität der Indikationsstellung geschlossen werden. Auf den Aspekt der schwierigen Diagnosestellung weist auch Herr Dr. Börner in seinem Leserbrief hin und vermutet, dass die Diagnose möglicherweise erst anhand der Wirkung von MPH gestellt wird. Wir sind hier mit Aussagen zurückhaltend, da wir dies anhand der Daten nicht belegen können.

Inwieweit ADHS allein genetisch determiniert ist oder ob nicht auch von einem multifaktoriellen Geschehen auszugehen ist (2), ist nicht Gegenstand unserer Arbeit und kann deshalb hier nicht erörtert werden. Viele Untersuchungen zeigen jedoch, worauf dankenswerterweise Dr. Neraal mit der Darstellung von Ergebnissen einer aktuellen schwedischen Studie aufmerksam macht, einen Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und dem Auftreten psychischer Störungen. Dies trifft auch – wie im KiGGS dargestellt – für Deutschland zu: Je niedriger der sozioökonomische Status, desto häufiger wurde ADHS diagnostiziert (1).

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0919b

Dr. rer. soc. Ingrid Schubert

PMV forschungsgruppe an der Klinik und Poliklinik

für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Universität zu Köln

Herderstraße 52

50932 Köln

E-Mail: Ingrid.Schubert@uk-koeln.de

Interessenkonflikt
PMV forschungsgruppe hat Projektförderung von Krankenkassen, Stiftungen und pharmazeutischen Firmen (Sanofi-Aventis, Novo-Nordisk, Lilly, Sanofi-Pasteur-MSD, Bayer-Schering, Merz, Janssen-Cilag, Abbott) erhalten. Dr. Ingrid Schubert und Ingrid Köster haben keine persönlichen Honorare bekommen. Prof. Dr. Gerd Lehmkuhl hat Forschungsgelder von Lilly Deutschland GmbH und Bristol-Myers Squibb erhalten; er ist Mitglied des Eli Lilly Strattera Advisory Boards.

1.
Robert-Koch-Institut (ed): Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Nationalen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut Berlin, 2008.
2.
Sachverständigenrat für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Koordination und Integration – Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Sondergutachten 2009
3.
Schubert I, Köster I, Lehmkuhl G: The changing prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder and methylphenidate prescriptions: A study of data from a random sample of insurees of the AOK health insurance company in the german state of Hesse, 2000–2007. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 615–21.
VOLLTEXT
1.Robert-Koch-Institut (ed): Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Nationalen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch-Institut Berlin, 2008.
2.Sachverständigenrat für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Koordination und Integration – Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Sondergutachten 2009
3.Schubert I, Köster I, Lehmkuhl G: The changing prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder and methylphenidate prescriptions: A study of data from a random sample of insurees of the AOK health insurance company in the german state of Hesse, 2000–2007. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 615–21.
VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige