Editorial

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Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2007/08: 1

Stüwe, Heinz

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Der Fall machte Schlagzeilen: „Falsche Ärztin foppte Uniklinik“, lautete eine Überschrift, und sie traf den Nagel auf den Kopf: Eine junge Frau arbeitete vier Jahre am Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf, zunächst als Ärztin im Praktikum, dann als Assistenzärztin in der Kinderklinik, ohne je ein Examen abgelegt zu haben. Aufgefallen ist sie erst, als die Ärztekammer darauf bestand, dass sie die Approbationsurkunde im Original vorlegte. Dreimal war die Studentin 1998 durchs Physikum gefallen, hatte sich aber durch solche Widrigkeiten keineswegs davon abhalten lassen, weiterzustudieren und dann auch als Ärztin zu arbeiten. „Es war wohl ihr Traumberuf“, kommentierte „Cyberoma“ im Internetforum von aerzteblatt. de den Fall lapidar und dürfte damit der Motivation der Möchtegernärztin recht nahe kommen. Denn es ging ihr wohl nicht darum, Universität und Klinik lächerlich zu machen. Gelungen aber ist ihr eine Realsatire auf den Medizin- und Wissenschaftsbetrieb, denn die angebliche Ärztin ist nicht nur in der Klinik nicht aufgefallen, sie hat auch fleißig wissenschaftlich publiziert und sogar Preise für ihre Arbeiten eingeheimst. Die Links zu den Aufsätzen der „Wissenschaftlerin“ werden gern weitergereicht. „Ist der Arztberuf vielleicht eher etwas für Schauspieler und Schaumschläger?“, fragt sich „Arztantagonist“ im Internetforum besorgt. „Dass es beim Doktorspielen so einfach ist, Wissen/ Können vorzugaukeln, müsste zum Nachdenken anregen.“ Der Postbote als Arzt, wie es vor Jahren tatsächlich passiert ist? Nicht auszudenken, was in der Neurochirurgie, dem Thema der Berufsreportage in diesem Heft, alles passieren könnte. In dem spektakulären Fach kommt es auf Millimeterarbeit und höchste Präzision an, mithin auf Wissen und Können. Letzteres gilt übrigens für alle Gebiete der Medizin.

Heinz Stüwe
Chefredakteur Deutsches Ärzteblatt
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