Editorial

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Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, SS 2008: 1

Stüwe, Heinz

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„Aufstand der bayerischen Hausärzte“, „Kassen auf Experimentierkurs“, „Abschied vom System“, „Aufbruch ins Ungewisse“ – diese Schlagzeilen des Deutschen Ärzteblatts aus den ersten drei Monaten des Jahres zeigen: Im Gesundheitswesen ist viel in Bewegung. So viel, dass selbst ausgefuchste Experten zugeben (wenn sie denn ehrlich sind), dass sie manchmal den Überblick verlieren. Umso weniger sind wirklich verlässliche Aussagen darüber möglich, wie das Gesundheitswesen in Deutschland in zehn oder 20 Jahren aussehen wird. Woran also sollen sich die halten, die in eben diesem Gesundheitssystem als Ärztin oder Arzt arbeiten wollen? Ganz einfach, an Zahlen und Fakten, die man nicht wegdiskutieren kann: In den Jahren 2007 bis 2012 gehen 41 100 Ärztinnen und Ärzte in Rente. Von ihnen arbeiten heute 7 600 in der Klinik, mehr als 15 000 sind Hausärzte und gut 18 000 niedergelassene Fachärzte. Sie alle müssen ersetzt werden. Dass dies nicht einfach wird, zeigt folgende Gegenüberstellung: Allein von den niedergelassenen Kassenärzten erreichen bis 2012 jährlich zwischen 5 500 und 6 000 die Altersgrenze, in den fünf folgenden Jahren sind es nur unwesentlich weniger. Zuletzt gab es aber nur 8 700 bis 9 000 Hochschulabsolventen der Humanmedizin jährlich, die insgesamt zur Verfügung stehen, um frei werdende Stellen in der stationären und ambulanten Versorgung zu besetzen. Ein beträchtlicher Anteil der Absolventen wird allerdings nicht im eigentlichen Arztberuf tätig. Das dürfte sich auch in Zukunft nicht vollständig ändern. Deshalb werden alle, die sich zur Arbeit in der Klinik und/oder Praxis berufen fühlen, heute und auch in absehbarer Zukunft mit offenen Armen empfangen. Dass in der Gesundheitspolitik die richtigen Entscheidungen getroffen werden, kann zwar niemand garantieren. Aber eines ist sicher: Ohne Ärzte wird auch das Gesundheitssystem der Zukunft nicht auskommen.

Heinz Stüwe
Chefredakteur Deutsches Ärzteblatt
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