ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2010Arzneimittelsicherheit: Wirken Protonenpumpenhemmer teratogen?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Arzneimittelsicherheit: Wirken Protonenpumpenhemmer teratogen?

Dtsch Arztebl 2010; 107(51-52): A-2559 / B-2224 / C-2180

Heinzl, Susanne

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Sodbrennen und Aufstoßen sind in der frühen Schwangerschaft relativ häufig, deshalb nehmen die Frauen oft Protonenpumpenhemmer (PPI). Nun ist auf Datenbasis eines dänischen Registers untersucht worden, ob ein Zusammenhang besteht zwischen der Einnahme von PPI und Geburtsdefekten (1). Alle von Januar 1996 bis September 2008 lebenden Neugeborenen wurden eingeschlossen und mit Daten zur Verschreibung von PPI, zu Geburtsdefekten und möglichen Störfaktoren abgeglichen. Auswertungsrelevant war die Einnahme von PPI 4 Wochen vor Konzeption bis Schwangerschaftswoche (SSW) 12 und von SSW 0 bis 12 (1. Trimester).

Von den 840 968 Lebendgeburten hatten 5 082 Mütter (3,4 %) in den 4 Wochen vor der Konzeption und im ersten Schwangerschaftsdrittel PPI eingenommen, am häufigsten Omeprazol. Insgesamt wurden 21 985 (2,6 %) Geburtsdefekte beobachtet, davon hatten die Mütter in 174 Fällen (3,4 %) PPI verwendet. Hieraus errechnete sich eine adjustierte Odds Ratio (OR) von 1,23 (95%-KI 1,05–1,44). Von den 3 651 Kindern, deren Mütter PPI im 1. Trimester genommen hatten, gab es bei 118 größere Geburtsdefekte (3,2 %), hier betrug die Odds Ratio 1,10 (95%-KI 0,91–1,34). Zwischen den PPI gab es keine Unterschiede. Die Einnahme von PPI im 1. Trimester birgt also kein teratogenes Risiko. Die Analyse ergab allerdings, dass ein PPI-Gebrauch – außer von Omeprazol – in den 4 Wochen vor der Konzeption mit einem statistisch signifikant erhöhten Risiko von Geburtsdefekten assoziiert war (adjustierte OR 1,39). Die Autoren halten dies für einen Zufall. Die Plasmahalbwertszeit von PPI liege bei 1 bis 2 Stunden, ein Carry-over-Effekt in die Frühschwangerschaft sei unwahrscheinlich. Diese Erklärung sei zu einfach, heißt es im Editorial. Es gelte, die langanhaltende Säurehemmung der PPI zu beachten: Möglicherweise führe sie zu einer Verarmung an Mikronährstoffen, was sich auf die Organogenese negativ auswirke.

Fazit: Den Ergebnissen der Kohortenstudie zufolge ist die Anwendung von PPI bei Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel offenbar sicher. Für Frauen im gebärfähigen Alter wird Omeprazol als Mittel der Wahl bezeichnet, solange es keine weiteren Daten gibt (2).

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Pasternak B et al.: Use of proton-pump inhibitors in early pregnancy and the risk of birth defects. NEJM 2010; 363: 2114–23.
  2. Mitchell AA: Proton-pump inhibitors and birth defects—some reassurance, but more needed. NEJM 2010; 363: 2161–2.

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