ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2010Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Krankheit: Worüber sich Experten international einig sind

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Krankheit: Worüber sich Experten international einig sind

Dtsch Arztebl 2010; 107(51-52): A-2559 / B-2224 / C-2180

Gulden, Josef

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Die tiefe Hirnstimulation (DBS) gilt als außerordentlich effektiv bei medikamentös nicht kontrollierbarer Parkinson-Krankheit. Nun hat ein Expertengremium aus den USA und Europa Konsens über wesentliche, zum Teil unklare Punkte erzielt:

  • Gute Kandidaten für die DBS sind Patienten ohne erkennbare kognitive oder psychiatrische Probleme, die medikamentös nicht kontrollierbare motorische Fluktuationen und/oder nicht behandelbaren Tremor haben oder die Medikamente nicht vertragen.
  • Den für die DBS erforderlichen Eingriff sollte ein Chirurg mit besonderer Expertise in stereotaktischer Neurochirurgie vornehmen, der in einem interdisziplinären Team erfahrener Experten arbeitet. Die Programmierung der Stimulation sollte durch einen speziell ausgebildeten Arzt erfolgen; bis zum Erreichen optimaler Ergebnisse können 3 bis 6 Monate vergehen.
  • Außer den auf Levodopa ansprechenden Symptomen bessert sich unter DBS auch der Tremor, im Allgemeinen mehrere Jahre lang. Für die Therapie bei motorischen Symptomen eignen sich Globus pallidus pars externa und Nucleus subthalamicus gleichermaßen. Bei Stimulation im N. subthalamicus ist eine stärkere Reduktion der dopaminergen Medikation möglich; allerdings kann sich bei einer Subgruppe von Patienten die nichtmotorische Symptomatik verschlechtern und das Sturzrisiko erhöhen.
  • Kernspintomografien des Hirns nach Implantation der Elektroden sind dann sicher und unbedenklich, wenn lediglich Kopfspulen verwendet und weitere Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Kernspintomographien des Körpers sind weiterhin verboten.
  • Die ablative Chirurgie ist eine wirksame Alternative zur DBS, wenn diese nicht möglich ist, etwa bei erhöhtem Infektionsrisiko.

Fazit: „Die Empfehlungen stellen den derzeit gesicherten Stand des Wissens zur DBS bei Morbus Parkinson dar und können als Richtschnur für Patienten, Ärzte und andere im Gesundheitswesen Tätige dienen“, kommentiert Prof. Dr. med. Günther Deuschl (Kiel). Die großen deutschen Implantationszentren seien in die Ausarbeitung involviert gewesen. Josef Gulden

Bronstein JM et al.: Deep brain stimulation for Parkinson disease. An expert consensus and review of key issues. Arch Neurol 2010; published online October 11 (DOI 10.1001/archneurol.2010.260).

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