GELDANLAGE

Börsebius: Späte Reue

Dtsch Arztebl 2010; 107(51-52): A-2575 / B-2235 / C-2191

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Folgender Hilferuf erreichte mich jüngst, den ich Ihnen (auszugsweise) wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung auch für andere nicht vorenthalten will.

„Sehr geehrter Herr Rombach, mit großem Genuss lese ich regelmäßig Ihre Kolumne im Ärzteblatt. Ich habe nun ein Problem mit der Commerzbank (CB) und würde mich sehr über Ihren Rat freuen, wobei mir völlig klar ist, dass Sie keine Rechtsberatung leisten können und wollen.

Ich habe meine Praxis im Jahr 2000 u. a. mit einem Kredit der CB über 160 000 Euro finanziert. Als es um die Tilgung ging, riet mir der Berater dazu, den Kredit endfällig nach zehn Jahren zu tilgen, um die Zinsen steuerlich optimal abschreiben zu können.

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Statt fortlaufend zu tilgen, solle ich das Geld ansparen.

Dazu schloss er mit mir einen dynamischen Ansparvertrag ab und investierte die monatlichen Beiträge je zur Hälfte in die Fonds Aditec und Weltvision. Der Berater prognostizierte ,ganz konservativ gerechnet‘ fünf Prozent Rendite per annum.

Ich wies darauf hin, dass es mir vor allem auf eine sichere, risikoarme Tilgung ankomme.

Nun endete die Zinsbindung, und ich erwog, den Kredit auf einen Schlag zu tilgen. Zu meiner Überraschung reichte der Depotwert bei weitem nicht aus. Eine Berechnung ergab, dass das Depot gegenüber den reinen Einzahlungen mit über 20 000 Euro im Minus liegt, von einer Rendite über die mehr als zehn Jahre hinweg ganz zu schweigen.

Können Sie mir raten, ob ich eine Chance habe, gegenüber der CB eine Entschädigung durchzusetzen?“

So weit, so schlecht. Einmal davon abgesehen, dass sich der ohnehin Gebeutelte auch noch über die Bank zusätzlich ärgert, weil sie zwei Beschwerdebriefe unbeantwortet ließ, teilt er sein Schicksal eben mit einigen Tausend Leidensgenossen, die vor Jahren Kredite für Praxisfinanzierungen aufgenommen haben, bei denen auch die Tilgung endfällig gestellt und gleichzeitig ein Ansparplan über Fonds oder eine Lebensversicherung abgeschlossen wurde, mit der Idee, das Darlehen (aus dem Erlös) am Ende der Laufzeit abzulösen. Augenzwinkernd hieß es, es werde voraussichtlich wohl noch ein kleiner Batzen übrig bleiben.

Daraus wird in ziemlich vielen Fällen nun nichts. Das ist natürlich für den Personenkreis, der in Bälde mit einer beträchtlichen Deckungslücke zu rechnen hat, eine perfide Situation. Der Kredit ist fällig, und das zu stopfende Loch ist nicht von schlechten Eltern. Einen Schadensersatzanspruch gegen die Bank sehe ich nicht wirklich. Außer späte Reue üben und andernorts Kapital zusammenkratzen lässt sich da nicht viel machen.

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