ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2010Hausarztverträge in Bayern: AOK und Ersatzkassen kündigen fristlos

AKTUELL

Hausarztverträge in Bayern: AOK und Ersatzkassen kündigen fristlos

Dtsch Arztebl 2010; 107(51-52): A-2535 / B-2203 / C-2159

Hibbeler, Birgit; dapd

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Nach der AOK haben nun auch die Ersatzkassen in Bayern ihren Hausarztvertrag mit dem Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV) fristlos gekündigt. Damit reagieren beide Kassen nach eigenen Angaben darauf, dass der Verband seine Mitglieder zur Rückgabe ihrer Kassenzulassung aufruft. Eine „finale Ausstiegsveranstaltung“ fand am 22. Dezember in Nürnberg statt (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe).

Wer zum Ausstieg aus der vertragsärztlichen Versorgung aufrufe, handle nicht nur „grob fahrlässig, sondern zutiefst verantwortungslos“, teilte der Ersatzkassenverband mit. Die AOK Bayern betonte, man stehe zur Idee der Hausarztverträge, es sei jedoch unzumutbar, mit einem Verband zusammenzuarbeiten, der sich in zentralen Fragen der Sozialgesetzgebung rechtswidrig verhalte und den Vertragspartner verunglimpfe. „Wir können nicht zulassen, dass unsere Versicherten zum Spielball der machtpolitischen Ambitionen des BHÄV werden“, begründete AOK-Landeschef Helmut Platzer die Kündigung.

Den Bogen überspannt? BHÄV-Vorsitzender Wolfgang Hoppenthaller hat den Rückhalt bei Kassen und Politik offenbar verloren. Foto: ddp
Den Bogen überspannt? BHÄV-Vorsitzender Wolfgang Hoppenthaller hat den Rückhalt bei Kassen und Politik offenbar verloren. Foto: ddp
Anzeige

Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­ter Markus Söder (CSU) warnte die Hausärzte davor, ihre Kassenzulassung zurückzugeben. Jeder solle sich die Folgen eines Ausstiegs überlegen, sagte Söder. „Die Rückgabe ist ein One-Way-Ticket. Wer draußen ist, ist draußen.“ Er rate den Hausärzten deshalb, vorher mit dem Ehepartner und der Bank zu reden. Berufsinteressen dürften außerdem nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden.

„Markus Söder hat ganz offen das Lager gewechselt: Statt wie versprochen die Hausärzte zu unterstützen, ist er inzwischen einer ihrer größten Kritiker. Kein Wunder, dass viele Hausärzte Söder nun der offenen Lüge bezichtigen“, kommentierte der BHÄV. BH/dapd

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema