ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2010Schlaganfall: Lysetherapie auch im hohen Alter möglich

AKTUELL: Akut

Schlaganfall: Lysetherapie auch im hohen Alter möglich

Dtsch Arztebl 2010; 107(51-52): A-2536 / B-2204 / C-2160

EB

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Eine Thrombolyse kann auch bei Schlaganfallpatienten im Alter von über 80 Jahren sinnvoll sein. Darauf weist die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) anlässlich einer aktuellen Auswertung des internationalen Patientenregisters SITS-ISTR („Safe Implementation of Treatment in Stroke – International Stroke Thrombolysis Register“) hin.

Die Qualität der Kliniken ist insgesamt gut. Doch manche haben den Anschluss verpasst. Foto: Caro
Die Qualität der Kliniken ist insgesamt gut. Doch manche haben den Anschluss verpasst. Foto: Caro

Dort sind mittlerweile die Daten von mehr als 20 000 Patienten aus 476 Kliniken in 31 Ländern gespeichert – darunter auch 1 831 Patienten mit einem Alter von über 80 Jahren; 99 Patienten sind sogar über 90 Jahre alt (Stroke 2010; 41: 2568–74). Mit dieser Plattform können klinische Zentren ihrer Behandlungsergebnisse mit denen anderer Zentren vergleichen.

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„Bislang gibt es für die Lyse eine Altersbegrenzung von 80 Jahren. Dies liegt jedoch nur daran, dass ältere Patienten von der Zulassungsstudie ausgeschlossen waren“, berichtet Prof. Dr. med. Joachim Röther (Hamburg). Bereits heute ist aber ein Drittel der Betroffenen über 80 Jahre alt, immer häufiger werden auch über 90-Jährige in die Klinik eingeliefert. Einige Zentren haben deshalb begonnen, die Lyse auch bei über 80-Jährigen im Rahmen eines individuellen Heilversuchs durchzuführen. Wie bei den jüngeren Patienten ist auch hier die Therapie nur in den allerersten Stunden nach Auftreten der Schlaganfallsymptome möglich. Zudem müssen die Ärzte darauf achten, dass die Patienten kein erhöhtes Risiko für eine Hirnblutung haben.

„Unter diesen Vorsichtsmaßnahmen ist die Behandlung auch jenseits des 80. Lebensjahres sicher“, erklärt Prof. Dr. med. Martin Grond (Kreisklinikum Siegen). „Im hohen Alter verlaufen Schlaganfälle häufiger tödlich“, berichtet Grond, Koautor der Studie. „Bei alten Patienten, die bereits vor dem Schlaganfall in ihrer Unabhängigkeit stark eingeschränkt sind, sollte man mit der Lysebehandlung zurückhaltend sein. Die Studie zeigt aber, dass Hochbetagte prinzipiell genauso von der Lyse profitieren können wie jüngere Patienten.“ Komplikationen traten nicht häufiger auf als bei Betroffenen, die unter 80 Jahre alt waren.

Grond plädiert jedoch für eine sorgfältige Auswahl. Die Therapie sei eine Einzelfallentscheidung. Der Siegener Neurologe erinnert daran, dass die Lyse bei Hochbetagten derzeit nur im Rahmen eines individuellen Heilversuchs erfolgen darf. Es sei zu hoffen, dass sich dies ändert und es in Anbetracht der aktuellen Daten zu einer Erweiterung der Zulassung kommt. EB

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