ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2010Kindesmissbrauch: Traumaambulanzen
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In Ergänzung zu den beiden Artikeln möchte ich auf eine dort nicht erwähnte Hilfsmöglichkeit für Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt hinweisen.

Sie stellen die Schwierigkeiten der Opfer dar, zeitnahe und angemessene professionelle psychotherapeutische Hilfe zu finden. Aufgrund dieses Problems wurde in Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit entsprechend qualifizierten Kliniken ein Netz von Traumaambulanzen für Gewaltopfer aufgebaut. Hier können derartig traumatisierte Menschen zeitnah und unbürokratisch Hilfe finden. Die Arbeit dieser Traumaambulanzen hat sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Evaluation als sehr effektiv gezeigt.

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Den gesetzlichen Rahmen für diese Maßnahme bietet das Opferentschädigungsgesetz (OEG) von 1976, auf das im DÄ 43/2010 hingewiesen wird. Dieses Gesetz sieht, unter bestimmten Voraussetzungen, zahlreiche Leistungen für Menschen vor, die durch Gewalt und sexuellen Missbrauch krank geworden sind. Unter anderem werden kurative und Rehabilitationsmaßnahmen von den das OEG durchführenden Sozialleistungsträgern (in NRW die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland) finanziert. Gerade in Zeiten knapper Kassen können hierdurch in vielen Fällen das Spektrum an möglichen Hilfestellungen deutlich vergrößert und auch die soziale Absicherung, im Einzelfall erheblich, verbessert werden.

Grundsätzlich müssen die Gewalttaten schon belegt sein. Hilfe durch die oben erwähnten Traumaambulanzen ist aber bei einer Antragstellung nach dem OEG sofort und vor weiteren Schritten zum Beleg der Gewalttat möglich. Insofern erfüllt Nordrhein-Westfalen mit den Traumaambulanzen eine Forderung des Weißen Rings.

Dass das OEG – trotz entsprechender Bemühungen – nicht hinreichend bekannt ist, deckt sich mit unseren Erfahrungen. Von daher begrüßen wir den Artikel zur Hilfe für Gewaltopfer ausdrücklich . . .

Dr. med. Hildegard Bur am Orde-Opitz,
LWL-Versorgungsamt Westfalen, 48143 Münster

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