Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Die einseitige Darstellung von Prof. Dr. med. Jörg Fegert über die Wirksamkeit von Therapien mit Missbrauchsbetroffenen kann nicht unwidersprochen bleiben. Er stellt sinngemäß die pauschale Behauptung auf, „nicht zielführende und nicht evidenzbasierte“ Therapien hätten nach Aussagen der Betroffenen „nicht geholfen“. Allein die „traumafokussierte Verhaltenstherapie sei wirksam“. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt, dass ein verhaltenstherapeutisch orientierter Forscher zu diesem Ergebnis kommt. Jeder, der mit Traumabetroffenen psychotherapeutisch arbeitet, weiß, dass diese retraumatisiert werden, wenn sie wieder „Opfer“, diesmal einer bestimmten Forschungsmethodik (evidenzbasiert) oder einer spezifischen Therapietechnik (zielführend) werden. Ich arbeite, wie viele meiner psychoanalytischen Kolleginnen und Kollegen, seit Jahren relativ erfolgreich mit einem modifizierten psychoanalytischen Ansatz mit Missbrauchsbetroffenen. Zur psychoanalytischen Behandlung von traumatisierten Menschen liegen mittlerweile eine Fülle von theoretischen und klinischen wissenschaftlichen Publikationen vor. Das Entscheidende in der Traumabehandlung ist nach meiner klinischen Erfahrung der Wiedergewinn der in der ohnmächtigen Missbrauchssituation massiv verletzten Selbstbestimmung und eigenen Wirkmächtigkeit. Dazu bedürfen die Betroffenen geduldiger Zeit und eines resonanten therapeutischen Beziehungsraumes – wie ihn die Psychoanalyse seit Jahrzehnten bereitstellt –, um sich der traumatischen Erinnerung zu stellen und das „Unsagbare“ in Worte fassen zu können. Die traumatische Erfahrung lässt sich grundsätzlich nicht aus der Geschichte eines Menschen eliminieren. Was aber nach meiner Erfahrung möglich ist, dass die Betroffenen in ihrer je eigenen Zeit Wege finden, „trotz der Missbrauchserfahrung“ wieder mehr ihr eigenes Leben zu leben beginnen.

Dipl.-Psych. Thomas Auchter, Psychoanalytiker (DPV/DGPT), 52074 Aachen

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige