ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2010Chronische Myeloische Leukämie: Europäisch vernetzt forschen

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Chronische Myeloische Leukämie: Europäisch vernetzt forschen

Dtsch Arztebl 2010; 107(51-52): A-2573

Siegmund-Schultze, Nicola

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Im EUTOS- Projekt werden Daten von CML-Patienten zusammengeführt und analysiert, um die Therapiebedingungen der Patienten zu verbessern. Dazu gehört auch das molekulare Monitoring der leukämiespezifischen BCR-ABL-Fusionstranskripte.

Die Einführung des ersten selektiven Bcr-Abl-Tyrosinkinase-Inhibitors (Bcr-Abl-TKI) Imatinib zur Behandlung von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML mit Philadelphia-Chromosom, Ph+) war ein Meilenstein der Leukämietherapie im Jahr 2001. Wegen deutlich höherer Ansprechraten und längeren progressionsfreien Überlebens der Patienten im Vergleich zur Behandlung mit Interferon alpha und Cytarabin etablierte sich Imatinib als Standard für die Erstlinienbehandlung.

Komplettes, zytogenetisches Ansprechen ist Therapieziel

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Dennoch: Circa 20 Prozent der CML-Patienten mit Ph+ erreichen das Ziel einer kompletten zytogenetischen Antwort (CgR) in 18 Monaten der Imatinib-Behandlung nicht, bei anderen geht die CgR wieder verloren, zum Beispiel durch Resistenzentwicklung, oder es gibt Unverträglichkeiten. Wenn sich nach initialem Ansprechen ein Rezidiv entwickelt, so meist innerhalb von drei Jahren unter der Imatinib-Therapie; die Prognose ist dann schlecht. „Für unsere Patienten ist ein optimaler Standard des Monitorings überlebenswichtig“, sagte Prof. Dr. med. Rüdiger Hehlmann (Heidelberg), Koordinator im Kompetenznetzwerk Akute und Chronische Leukämien sowie des European LeukemiaNet (ELN).

Seit 2007 kooperiert das ELN mit dem Unternehmen Novartis im Projekt EUTOS (European Treatment and Outcome Study for CML). Ein Ziel des Projekts ist es, die quantitative Polymerase-Kettenreaktion (PCR) als ein vom ELN zur molekularen Verlaufsbeobachtung empfohlenes Verfahren in allen 25 EUTOS-Ländern zu etablieren. Denn die quantitative PCR ist der klassischen zytogenetischen Untersuchung an Sensitivität deutlich überlegen. Therapeutisch angestrebt wird, die Zahl der BCR-ABL-positiven Genome unter die Nachweisgrenze zu senken. Nach Angaben von Hehlmann wird eine Nachweisgrenze von ein bis zwei BCR-ABL-Rearrangements pro Million Zellen als optimal erachtet.

Novartis wird das EUTOS-Projekt (www.eutos.org) für weitere zwei Jahre mit sechs Millionen Euro fördern – mit dieser Aufstockung beläuft sich das Fördervolumen auf 20 Millionen Euro. Mittel fließen zum Beispiel für die Fortbildung von Labormitarbeitern. In Ringversuchen und über Rückmeldungen aus zertifizierten Zentrallabors können die einzelnen Labore die Prozessqualität der PCR abschätzen. Auch das Arzneimittelmonitoring wird flächendeckend etabliert, denn bestmögliches Ansprechen ist nur bei optimaler, individueller Dosierung zu erwarten.

Circa 500 000 CML-Patienten lebten in Europa, sagte Prof. Dr. med. Michele Baccarani (Universität Bologna, Italien), jährlich kämen circa 12 000 bis 14 000 neu diagnostizierte Fälle hinzu. Bislang sind im Register des EUTOS-Projekt die Daten von circa 4 000 CML-Kranken erfasst: Patienten, die die Diagnose zwischen 2002 und 2006 erhalten und an prospektiven Studien mit Imatinib als Erstlinientherapie teilgenommen haben, oder Imatinib-Behandelte, die außerhalb von Studien in nationalen Registern erfasst worden waren.

Seit 2009 nimmt EUTOS prospektiv neu diagnostizierte Patienten in das Register auf – unabhängig von der Erstlinienbehandlung. Zum einen wollen die Forscher mit Hilfe differenzierter epidemiologischer Daten aus dem Register die Erkrankung besser verstehen. Zum anderen liefern die Daten wichtige Informationen über Krankheitsverläufe unter Bedingungen außerhalb von Studien.

Die Informationen des EUTOS-Registers sind unter anderem deshalb von großer Relevanz, weil Hehlmann zufolge angestrebt wird, durch medikamentöse Behandlung die CML zu heilen, natürlich unter Anwendung des gesamten Spektrums auch neuerer Substanzen wie Nilotinib und Dasatinib. Heilung bedeutet, die Arzneimittel absetzen zu können ohne Rezidiv der Erkrankung und bei normaler Lebenserwartung des Patienten. Derzeit geht man bei Respondern von einer lebenslang notwendigen Behandlung aus. Ob und auf Basis welcher Vorbehandlungen ein Absetzen möglich ist, lässt sich nur über Langzeitverlaufsbeobachtungen feststellen.

Lassen sich TKI bei schlechter Response kombinieren?

Nach Hehlmann ist es auch unklar, welches die beste Behandlung bei suboptimalem Ansprechen ist und wie zum Beispiel neuere Medikamente kombiniert werden sollen. Die Stammzelltransplantation ist den aktuellen Empfehlungen des ELN zufolge in der akzelerierten und in der Blastenphase nach TKI-Therapie indiziert, ebenso bei T315I-Mutation und bei ungenügender Wirksamkeit von Dasatinib und Nilotinib.

Die Europäische Union fördert das ELN noch bis 2011. Die Stiftung des Netzwerks (ELN Foundation) wird sich daher verstärkt um Spenden bemühen müssen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Kontakt zum EUTOS-Register:
lindoerf@ibe.med.uni-muenchen.de

Veranstaltung: EUTOS: Significant Advances in Chronic Myeloid Leukemia Management. Pressekonferenz des Unternehmens Novartis in Wien

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