ArchivMedizin studieren4/2010Stenose im proximalen Colon sigmoideum

MEDIZIN: Kasuistik

Stenose im proximalen Colon sigmoideum

Geddert, Helene

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Eine 38-jährige Patientin sucht ihren Hausarzt wegen rezidivierender Bauchschmerzen und Verstopfungen auf. Zum Zeitpunkt der Untersuchung ist das Abdomen links nur gering druckschmerzhaft. In der daraufhin durchgeführten Magnetresonanztomographie findet man einen etwa 5 cm langen stenosierenden Prozess im proximalen Colon sigmoideum (Abb. 1). Endoskopisch korrelierte hierzu eine etwa 70-prozentige Lumenstenose des Dickdarms, die mit dem Endoskop nicht passierbar war. Die Kolonmukosa selbst ist über der submukösen Raumforderung makroskopisch unauffällig. Darauf hin wurde ein 22 cm langes Segment des Colon sigmoideum reseziert und histopathologisch untersucht (Abb. 2).

Abb. 1, Transversale MRT: Colon sigmoideum mit typischem geschwungenem Verlauf. Die Pfeile markieren den sich dunkel darstellenden Tumor.
Abb. 1, Transversale MRT: Colon sigmoideum mit typischem geschwungenem Verlauf. Die Pfeile markieren den sich dunkel darstellenden Tumor.
Abb. 2, Links Lupenansicht: Typische Darmwandschichtung. Der Kreis markiert einen knotigen Tumor in der äußeren Darmwand. Rechts Histologie: Typisches Endometrium
Abb. 2, Links Lupenansicht: Typische Darmwandschichtung. Der Kreis markiert einen knotigen Tumor in der äußeren Darmwand. Rechts Histologie: Typisches Endometrium

Auflösung

In der Lupenansicht des Darmprärats erkennt man eine normale Mukosa (M) und Submukosa (SM), während die Muskularis propria ein knotiges zelluläres Infiltrat mit Übergreifen auf das subseröse Fettgewebe (SF) aufweist (Abb. 2 links). Histologisch handelt es sich hierbei um atypiefreie Endometriuminseln (Uterusmukosa). Somit kann die Diagnose einer stenosierenden Darmendometriose gestellt werden (Abb. 2 rechts).

Hintergrund

Das Auftreten von Endometrium außerhalb des Cavum uteri wird als Endometriose bezeichnet. Die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt. Neben dem Myometrium (Uterusmuskulatur) sind besonders häufig Beckenorgane wie beispielsweise Ovarien oder das Douglas-Peritoneum betroffen. Da auch diese Schleimhautinseln am hormonellen Zyklus teilnehmen, kommt es zur rezidivierten Einblutung mit nachfolgender Resorption und Vernarbung. Die Symptome werden von der Lokalisation der Endometriose bestimmt. Nicht selten liegen Dysmenorrhöen, Dyspareunie oder Sterilität vor. Bei unserer Patientin hat die Endometriose zur Vernarbung und Lumenstenose des Darms geführt. Dies erklärt zum einen die
Verstopfungen, aber auch die in Schüben (Zyklus!) auftretenden Schmerzen.

Therapie

Neben der operativen Behandlung kommt eine medikamentöse Therapie (Ovulationshemmer, GnRH-Analoga) in Betracht. Helene Geddert

Institut für Pathologie an den St.-Vincentius-Kliniken Karlsruhe

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