ArchivMedizin studieren4/2010Wissenschaftliche Suchmaschinen: Recherche in Sekundenschnelle

Karriere

Wissenschaftliche Suchmaschinen: Recherche in Sekundenschnelle

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 4/2010: 14

Hensel, Ole

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Blitzschnell das gewünschte Paper finden – aber wie? Eine Möglichkeit sind effiziente Filter- und Sortierfunktionen in Suchmaschinen. Einige PubMed-Alternativen bieten sie sogar unentgeltlich an.

Foto: iStockphoto
Foto: iStockphoto

Etwa zwölf bis 15 Stunden pro Woche ist ein Wissenschaftler mit der Informationsrecherche beschäftigt. Häufig wird dabei jedoch viel Zeit damit vergeudet, relevante von nichtrelevanten Informationen zu trennen. Das hat unterschiedliche Ursachen: Suchmaschinen wie Google erschließen nicht das „unsichtbare Internet“. Dort sind aber gerade die meisten wissenschaftlichen Daten hinterlegt, zum Beispiel in der Datenbank PubMed. Über die akademische Suchmaschine Scirus hat man auf etwa 370 Millionen Webseiten Zugriff. Sie haben allerdings eine unterschiedliche wissenschaftliche Qualität. PubMed beinhaltet „nur“ 20 Millionen medizinische Artikel*, diese sind jedoch alle peer-reviewed. Weitere Beispiele für medizinische Veröffentlichungen mit hoher wissenschaftlicher Qualität sind Leitlinien/Guidelines der deutschen oder internationalen Fachgesellschaften sowie umfangreiche Fach-/Lehrbuchsammlungen, wie von Google books oder SpringerLink.

Anzeige

Doch was tun, wenn man zum Beispiel bei einer PubMed-Suchanfrage eine zu große Ergebnisliste erhält? Dann sollte man spezifischere Suchbegriffe und Boole’- sche Suchoperatoren verwenden oder eine weitergehende Filterung und Sortierung anwenden. Im Jahr 2002 hat PubMed zudem eine Schnittstelle nach außen eingeführt, so dass auch externe Anbieter auf die Datenbank zugreifen können. Diese Anbieter bereiten die Daten in der PubMed-Datenbank auf, so dass eine Suchanfrage leichter zu spezifizieren ist und effizientere Filter- und Sortierfunktionen angeboten werden. Alle hier vorgestellten fünf PubMed-Alternativen können unentgeltlich genutzt werden.

1. Je spezifischer man eine Suchanfrage stellt, desto bessere Ergebnisse erhält man. PubMed Interact nutzt dies, indem es vor Ausführung der Suche spezifische Suchkriterien fordert. Man kann zum Beispiel angeben, ob man an einem Fallbericht oder an einem Review interessiert ist, wann der Artikel erschienen sein soll oder ob man Informationen für spezielle Altersgruppen sucht.

2. Mit Hilfe der Sortierfunktionen von PubFocus lassen sich ausgezeichnete Artikel ganz oben in der Ergebnisliste anzeigen. Sie können sortiert werden nach den Renommee der Zeitschrift (Journal Rank) und nach der Häufigkeit der Zitate (Forward Citations). In der Default-Einstellung wird nach einem PubFocus-eigenen Ranking (auch PubFocus Impact oder Publication Rank bezeichnet) sortiert. Dabei gehen das Alter des Artikels, die Forward Citations und der Journal Rank ein. Anhand der Statistiken ist es möglich, die Ergebnisliste zum Beispiel nach Zeitschriften oder Jahrgängen zu filtern. PubFocus besitzt die bisher ausgereiftesten Filter- und Sortierfunktionen. Bei Ergebnislisten mit mehr als 50 Einträgen ist die Suchmaschine allerdings aus technischen Gründen nicht zu verwenden. Die Benutzung von PubFocus erfordert zudem eine mühsame Einarbeitung, weil ausreichende Hilfefunktionen fehlen und die Seite unübersichtlich gestaltet ist.

3. Das Design der sächsischen Website GoPubMed ist dahingegen intuitiv aufgebaut und klar strukturiert. Mit Hilfe von vier Kategorien kann die Ergebnisliste eingeschränkt werden. In der Kategorie „what“ werden weitere spezifische Suchbegriffe vorgeschlagen. Anhand von semantischen Netzwerken – sogenannten Ontologien – kann die Ergebnisliste zudem weiter gefiltert werden. Interessant in der Kategorie „where“ ist insbesondere die Einschränkung auf „high impact Journals“.

4. Die Website von ClusterMed ordnet die Ergebnisse in einer Art Cluster zusammengehöriger Artikel. Anhand dieser Cluster kann man vor allem bei geringem Vorwissen seine Suchanfrage weiter spezifizieren. ClusterMed ist eine spezielle Empfehlung für Studierende.

5. Mit Hilfe von BioText kann man explizit Bilder und Tabellen suchen.

Von PubMed unabhängige wissenschaftliche Suchmaschinen

Wahrscheinlich die bekannteste der wissenschaftlichen Suchmaschinen neben PubMed ist Google scholar. Sie enthält eine eigene Datensammlung aus Veröffentlichungen von Verlagen, Universitäten, Berufsverbänden und weiteren Bildungseinrichtungen. Die Einfachheit der Bedienung, die Volltextsuche und die umfangreiche Datenbasis sprechen für Google scholar. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Verfügbarkeitsanzeige mittels SFX, somit erkennt man, ob man auf den Originalartikel direkt zugreifen kann. Der Sortieralgorithmus von Google scholar liefert oft die guten Ergebnisse zuerst.

Scirus behauptet von sich selbst, die meisten Ergebnisse liefern zu können. Sie durchsucht das gesamte Internet und entfernt nach einem eigenen Algorithmus nichtwissenschaftliche Websites. Aktuell sind bei Scirus 370 Millionen Webseiten gelistet. Darunter beispielsweise auch die Daten aus der PubMed-Datenbank. Eine weitere in der Praxis bewährte Website ist Qsensei. Sie bietet eine Volltextsuche an, deren Ergebnisse sich durch umfangreiche Filter oder nach Schlüsselbegriffen weiter einschränken lassen. Die Suchmaschine Base liefert Lehrvideos.

Ole Hensel, Universität Halle

* Stand: März 2010

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema