ArchivMedizin studieren1/2006Medizinstudierende: Im Medien-Mittelpunkt

Studium

Medizinstudierende: Im Medien-Mittelpunkt

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mitte Januar waren die Zeitungen gefüllt mit den Anliegen der Medizinstudierenden Deutschlands: „Arbeitszeiten schrecken Medizinstudenten ab“, titelte beispielsweise die Frankfurter Rundschau, „Deutschlands Mediziner zieht es ins Ausland“ das Handelsblatt, „Ärzte- Nachwuchs klagt über miese Arbeitsbedingungen“ die Financial Times Deutschland und „Kein Grund, Arzt zu werden“ die Neue Osnabrücker Zeitung. Anlass für die breite Berichterstattung in der Tagespresse war die Analyse einer Online-Umfrage der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), die die Studierendenvertretung gemeinsam mit der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) am 11. Januar in Berlin vorstellte.

„Immer mehr Absolventen verlassen Deutschland.“ Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der BÄK, und Maike Wilk, bvmd, präsentierten die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 3 600 Medizinstudierenden. Foto: Georg J. Lopata
„Immer mehr Absolventen verlassen Deutschland.“ Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der BÄK, und Maike Wilk, bvmd, präsentierten die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 3 600 Medizinstudierenden. Foto: Georg J. Lopata
„Die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte müssen sich grundlegend verbessern, sonst bricht der Nachwuchs auf breiter Front weg“, betonte Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der BÄK, und würdigte die Aktivitäten der Nachwuchsmediziner. Mehr als 3 600 Medizinstudierende in Deutschland hatte der bvmd zwischen Juni und November 2005 befragt und sich mit Unterstützung der BÄK an die breite Öffentlichkeit gewandt. Rückendeckung erhielten die Studierenden auch von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Den Absolventen müssten wieder Anreize geboten werden, forderte die Vertretung der niedergelassenen Ärzte. Nach ihren Zahlen entschieden sich im Jahr 2003 24 Prozent gegen eine Ausbildung zum Arzt im Praktikum in Deutschland.

„Die Medizinstudierenden würden gern in Deutschland ärztlich tätig werden, sehen sich aber durch die schlechten Arbeitsbedingungen oft gezwungen, Jobs in medizinnahen Berufsfeldern oder im Ausland anzunehmen“, bestätigt Maike Wilk, Bundeskoordinatorin der Arbeitsgemeinschaft Gesundheitspolitik des bvmd. Angehende Mediziner seien durchaus bereit, Zeit und Energie in den Arztberuf zu investieren – wenn sie vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden. Der Umfrage zufolge möchte knapp die Hälfte der Studierenden kurativ im Krankenhaus tätig werden, ein Drittel in einer Praxis. Lediglich jeweils drei Prozent der Studierenden sehen ihr Arbeitsziel in einem alternativen Berufsfeld oder in der Forschung. Bis zu 50 Stunden pro Woche würden mehr als die Hälfte der angehenden Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus arbeiten, weitere 16 Prozent auch bis zu 60 Stunden. Unbezahlte Überstunden aber wollen 40 Prozent auf keinen Fall und 58 Prozent nur unter Umständen leisten. Kritisiert wurden neben der hohen Arbeitsbelastung ohne Bezahlung vor allem zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse, der hohe Bürokratieaufwand sowie die Gefährdung von Patienten durch übermüdete Ärzte.

Ein weiterer Grund für Absolventinnen und Absolventen, gar nicht oder zumindest nicht in Deutschland ärztlich tätig zu werden, ist die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 86 Prozent wünschen sich Kinder, zugleich halten 79 Prozent der Befragten es jedoch derzeit für schwierig, den Kinderwunsch mit dem Beruf zu vereinbaren. Ein Großteil der Befragten wünscht sich deshalb familienfreundlichere Rahmenbedingungen durch geregelte Arbeitszeiten (Teilzeitarbeit) sowie Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Bei einem Frauenanteil in der Medizin von 60 Prozent und der sich entwickelnden Kinderlosigkeit unter Akademikern sei das ein längst überfälliges Thema, schreibt eine Studentin im Kommentarteil der Umfrage. „Ich denke, die Wahl meines Arbeitsplatzes werde ich auch unter diesem Gesichtspunkt treffen müssen.“

Entscheidend bei der Arbeitsplatzsuche ist für etwa 90 Prozent der Befragten ferner eine Entlastung bei Verwaltungsaufgaben. Wichtig sind den Studierenden zudem der Ruf des Krankenhauses, die Persönlichkeit des Chefarztes, gute Fortbildungsmöglichkeiten, das Betriebsklima im Krankenhaus und ein partnerschaftlicher Umgang mit den Vorgesetzten. Nur geringe Priorität haben dagegen das Renommee des Chefarztes, die Möglichkeit zur Forschung und die Nähe zur Heimatstadt. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Lang- und Kurzfassung der Umfrage finden Sie unter:
www.aerzteblatt-studieren.de Webcode: 06003
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema