ArchivMedizin studieren2/2006PJ Allgemeinmedizin: Bürokratische Hürden

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PJ Allgemeinmedizin: Bürokratische Hürden

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2006/07: 12

Hibbeler, Birgit

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Verhältnisse wie in Tokio: Der Andrang auf PJ-Plätze für Allgemeinmedizin ist groß. Foto: dpa
Verhältnisse wie in Tokio: Der Andrang auf PJ-Plätze für Allgemeinmedizin ist groß. Foto: dpa
Eigentlich hatte sich Stefanie Prehn* alles so einfach vorgestellt. Als die 26- jährige Medizinstudentin davon erfuhr, dass es nach der neuen Ärztlichen Approbationsordnung (ÄAppO) möglich ist, ein Tertial des Praktischen Jahres (PJ) in der Allgemeinmedizin zu absolvieren, war für sie sofort klar: Das wäre genau ihr Ding. Schließlich handelt es sich um die Fachrichtung, in der sie auch später einmal arbeiten möchte.

Von der Lehrpraxis, in der sie das Blockpraktikum absolviert hatte, war sie begeistert. Und auch die Ärzte dort hätten sie gern als PJlerin beschäftigt. Doch dann kam es ganz anders, denn an Prehns Universität stehen nur fünf Plätze für Allgemeinmedizin zur Verfügung. Die Zahl der Interessenten lag aber um ein Vielfaches höher.

Und ihre Wunsch-Praxis ist nur für das Blockpraktikum zugelassen, nicht für das PJ – warum, bleibt das Geheimnis der Fakultät, denn es handelt sich um eine große Praxis, die ohne Zweifel alle Facetten der Allgemeinmedizin abbildet. Seitens der Universität hieß es, die Finanzierung sei nicht gesichert. Doch auch als die Einrichtung anbot, Prehn unentgeltlich auszubilden, blieb man bei dem Veto. Einen Platz für Allgemeinmedizin hat die Studentin trotz aller Anstrengungen nicht bekommen.

Der Andrang auf die Plätze war zu groß. Stefanie Prehn ist kein Einzelfall. Obwohl die neue ÄAppO bereits im Juni 2002 beschlossene Sache war, haben sich viele Universitäten offenbar viel zu spät mit den damit verbundenen Änderungen auseinandergesetzt. Der Gesetzgeber hat aber ausdrücklich eine Förderung der Allgemeinmedizin im PJ festgelegt. Ein entscheidender Punkt ist dabei die Finanzierung.

„Damit steht und fällt die Anzahl der Plätze“, sagt Dr. med. Katja Gilbert, Lehrkoodinatorin am Institut für Allgemeinmedizin der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. 15 Plätze für Allgemeinmedizin bietet die Frankfurter Fakultät pro Jahr an und zählt damit zu den Spitzenreitern. Die Unterstützung durch das Dekanat sei groß gewesen, erklärt Gilbert.

Und so habe man die Zusage zur Finanzierung dieser vergleichsweise hohen Anzahl von Plätzen erreicht. Etwa 2 400 Euro erhalten die Praxen je Student. Von Vorteil dürfte es in Frankfurt gewesen sein, dass es ein Institut für Allgemeinmedizin gibt. An vielen Hochschulen ist die Allgemeinmedizin noch immer ein Stiefkind. Längst nicht an allen Universitäten gibt es ein eigenständiges Institut oder eine Professur für dieses Fach. BH
*Name von der Redaktion geändert
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